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Neuss: Motten sorgen für Gruselkulisse

Neuss : Motten sorgen für Gruselkulisse

Vielerorts, etwa zwischen Grefrath und Röckrath, sieht es aus wie im Gespensterwald: Schuld sind Mottenlarven, die in dichte, weiße Netze um die Bäume herum eingesponnen sind. Schädlich sind die Tiere allerdings nicht.

Mit Mondlicht und Streichern, die Staccato ein paar Dissonanzen spielen, ließe sich der Wald zwischen Grefrath und Röckrath derzeit leicht in die Kulisse für einen Edgar-Wallce-Film der 50er Jahre verwandeln. "Es ist gespenstisch", findet Peter Roßbach. Der Gärtnermeister des Grünflächenamts hockt mitten in einer Grusel-Kulisse, zwar im Sonnen- statt im Mondlicht, die Musik fehlt auch, aber nicht die schaurige Bild, das die Bäume um ihn herum abgeben.

Denn die sind komplett bedeckt mit einem weißen, festen Gewebe, so als ob Millionen von Spinnen die Bäume eingewoben hätten. Stämme und Äste sind kahl gefressen — ein schauriges Bild. Deshalb melden sich derzeit immer wieder besorgte Spaziergänger oder Gartenbesitzer bei Roßbach im städtischen Grünflächenamt. "Viele denken, es handelt sich dabei um den Eichen-Prozessionsspinner", sagt Roßbach. Doch er kann beruhigen: Im Gegensatz zu den Larven des Eichen-Prozessionsspinners, deren Gifthaare bei Menschen allergische Reaktionen, wie juckende Hautausschläge und sogar Asthmaanfälle auslösen können, sind die Tierchen, die für das netzartige Gewebe in Neuss verantwortlich sind, ungefährlich. "Es handelt sich bei uns fast ausschließlich um die Gespinstmotte", sagt Roßbach. Einige Arten, wie die Pfaffenhütchen- und die Pflaumen-Gespinstmotte haben sich in den vergangenen Jahren stark vermehrt.

Motten-Nachwuchs wird munter

Besonders auf Obstbäumen legen die Tierchen ihre Eier ab und spinnen ihre Gespinste zum Schutz der Larven, die sich unter den Gespinsten sammeln. Im Frühjahr, besonders jetzt im Mai. Wenn der Motten-Nachwuchs munter wird, beginnt er, den Wirtsbaum kahlzufressen. "Das schwächt den Baum zwar, aber er stirbt nicht ab", sagt Fachmann Roßbach. Spezielle Maßnahmen müssen der Mann vom Grünflächenamt und sein Team daher nicht ergreifen, um die Bäume zu schützen. Im privaten Obstgarten kann der Befall der Bäume von der Gespinstmotte allerdings zum Ernteausfall führen. "Daher sollten man möglichst früh die betroffenen Äste herausschneiden", sagt Roßbach.

Ende Juni ist der Spuk vorbei

Gruseln muss das die Spaziergänger allerdings nicht. Spätestens Ende Juni, wenn sich die meisten Mottenlarven verpuppt haben, ist der Spuk vorbei. Denn dann treiben die befallenden Bäume noch einmal aus, die Gespinste werden von Wind und Regen aufgelöst. Sonstige natürliche Feinde sind nur Vögel. Außerdem muss die Assoziation mit dem Spinnweben aus Gruselfilmen nicht die einzige bleiben. "Es sieht ja mit ein bisschen Fantasie auch aus wie Zuckerwatte", findet Roßbach.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gespenstische Motten-Gespinste

(NGZ)