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Neuss: Morde verunsichern die Neusser nachhaltig

Neuss : Morde verunsichern die Neusser nachhaltig

Kriminalitätsstatistik: Obwohl die Polizei mehr Taten aufklärte und die Sicherheitslage stabil ist, steigt das Unsicherheitsgefühl der Bürger.

Die Familientragödie an der Kaarster Straße, der Mord im Jobcenter oder die Tötung einer 86-Jährigen in Reuschenberg: Drei Taten, die nach Überzeugung von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke über das normale Verbrechensgeschehen hinausgehen, prägten im vergangenen Jahr das Sicherheitsgefühl der Menschen in Neuss. "Es entstand der Eindruck, als wäre viel Furchtbares passiert", fasste der Polizeichef diese Wahrnehmung zusammen. Dabei sank die Zahl der — ausnahmslos aufgeklärten — Tötungen kreisweit von elf auf fünf.

Die Kriminalitätsstatistik, die der Leiter der Kreispolizeibehörde gestern vorstellte, zeichnet aus Sicht der Polizei ein etwas anderes Bild. Eine Aufklärungsquote von erstmals 51,5 Prozent (plus 2,7) bei einem nur leichten Anstieg der Fallzahlen um 518 (plus 1,6 Prozent) auf 32 872 führt ihn zu dem Schluss: "Die Sicherheitslage ist stabil."

Von 100 000 Menschen im Kreis wurden rein rechnerisch 7 406 im vergangenen Jahr Opfer einer Straftat. Dieser Wert lag zwar noch einmal leicht über dem des Vorjahres, doch sagt die Zahl alleine nichts über die Art und die Qualität der Straftaten aus. Den größten Zuwachs — 910 Fälle — verzeichnete die Polizei nämlich zum Beispiel bei den Betrugsdelikten. Davon waren allein 682 beim Schwarzfahren in Bus und Bahn erwischte Täter.

Fälle der Gewaltkriminalität nahmen 2012 zu, doch stieg auch die Aufklärungsquote. Von 901 Taten (plus 34) wurden 684 ausgeklärt. Dingfest gemacht und inzwischen verurteilt wurden etwa sechs Jugendliche, die Anfang 2012 unter anderem Senioren in ihren Wohnungen in Erfttal und Selikum überfielen und ausraubten, rief Hans-Werner Winkelmann in Erinnerung, der Leiter der Direktion Kriminalität. Nach dem spektakulären Überfall auf einen Geldtransporter bei der Metro in Neuss aber wurde 80 Hinweisen und Spuren nachgegangen ohne eine "heiße" zu finden.

Die Fälle, in denen öffentliche Straßen und Plätze Tatort sind, waren 2012 leicht rückläufig, machen aber mit 9538 Taten immer noch ein Drittel aller Delikte aus. Die Zahl der Rauschgiftdelikte sank — und zwar deutlich — von 1375 auf 1219 Fälle.

Aus Sicht der Polizei ist neben der Aufklärungsquote, die über dem Landesdurchschnitt liegt und vom Landrat als "sensationell gut" bezeichnet wurde, die Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen positiv zu bewerten. Nach Jahren ständig wachsender Zahlen bedeuteten 1452 erfasste Wohnungseinbrüche im Vorjahr erstmals einen leichten Rückgang. Petrauschke: "Die Zahlen reichen aber noch nicht, um von einer Entwarnung zu sprechen."

Gerade mit Blick auf die immer noch hohe Zahl der Einbrüche, die von den Opfern oft als besonders belastend empfunden werden, kündigte der Polizeichef die Ausweitung der Bemühungen beim Opferschutz und bei der Kriminalitätsvorbeugung an. "Auch wenn das vielleicht nicht zu den originären Aufgaben der Polizei gehört", wie er anmerkte.

Bei den Tätern fällt der Polizei auf, dass ein Drittel der 11 469 dingfest gemachten Verdächtigen unter 21 Jahre alt sind, und unter diesen jeder zehnte als Mehrfachtäter gilt. Und es werden immer mehr internationale Banden beobachtet, die im Kreis ihre Streifzüge unternehmen. Fest eingebaute Navigationsgeräte sind so begehrt, dass sie oft Täter aus den Niederlanden anlockten. Ergebnis: Die Diebstähle aus Autos stiegen um 355 auf 2630.

(NGZ/rl/url)