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Neuss: Mord sollte Raub verdecken

Neuss : Mord sollte Raub verdecken

Rascher Fahndungserfolg der Polizei: Nur Stunden nach dem Mord an einem 59-jährigen Obdachlosen konnten zwei Männer unter dringendem Tatverdacht festgenommen werden. Die Angst in der Szene ist trotzdem groß.

Er prahlte gerne mit seinem Geld und zählte seine Scheinchen auch vor den Augen der anderen Männer, die die Notschlafstelle der Stadt am Derendorfweg aufsuchten. Das wurde dem 59-jährigen Obdachlosen, den ein Zeuge am Sonntagmorgen nur 150 Meter von der Schlafstelle entfernt erschlagen am TÜV-Gebäude fand, zum Verhängnis. Davon geht jedenfalls die Polizei aus, die am Sonntagabend zwei Männer im Alter von 18 und 37 Jahren in dem Männerwohnheim festnehmen konnte. Gegen beide beantragte Staatsanwalt Christoph Kumpa Haftbefehl wegen Mordes an dem 59-Jährigen. So sollte nach Aufassung des Staatsanwalts ein gemeinschaftlich begangener Raub an dem Mann vertuscht werden.

Opfer und mutmaßliche Täter kannten sich aus dem Obdachlosenmilieu. In diese Szene war der 59-Jährige aufgrund einer Alkoholsucht abgerutscht, weiß Hermann Fabry, Sozialarbeiter in der Kontakt- und Beratungsstelle "Café Ausblick". Diese suchte der gebürtige Vietnamese, der in Aachen studiert und schon vor Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hatte, regelmäßig auf. Ohne Kontakt zu seiner geschiedenen Frau und den drei Kindern, übernachtete er zuletzt genauso regelmäßig am Derendorfweg. Anderen Vermietern war er nicht mehr zu vermitteln, berichtet Werner Hein, Leiter des Café Ausblick. Auch die Polizei spricht von psychischen Auffälligkeiten.

Als gewalttätig war der 59-Jährige nicht bekannt, fiel aber häufiger durch Diebstähle auf. Das brachte ihm Ärger und ein Hausverbot am Derendorfweg in der Mordnacht ein, nachdem er dabei erwischt worden war, als er den Rucksack des 37-jährigen durchwühlte, der jetzt unter Mordverdacht steht.

Der 59-Jährige ging zum TÜV-Gebäude, dem späteren Tatort – kam allerdings noch einmal kurz zurück, weil er dem Pförtner der Einrichtung den Diebstahl von 190 Euro melden wollte. Das Geld genommen haben soll der 18-Jährige zweite Tatverdächtige, der diese Tat nach Darstellung der Staatsanwaltschaft auch gestanden hat. Er soll das Opfer schon mehrfach attackiert und bestohlen haben. Von den 190 Euro sollen die beiden dann Getränke für ein kleines Gelage im Wohnheim eingekauft haben. Gegen 0.30 Uhr wurde einer der beiden Verdächtigen in Folge dieser "Feier" aus dem Wohnheim geworfen, sein Kumpel, der andere Verdächtige, ging mit. Beide trafen das spätere Opfer, dem sie weiteres Geld abnehmen wollten. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft schlugen sie so lange massiv auf Kopf und Oberkörper des Opfers ein, bis sie sicher waren, dass er tot war. Beute – nur einige Münzen. Beide ließen sich von einem Taxi zum Bahnhof bringen ließen – für einen Ausflug nach Venlo. Von dem kamen am Sonntagabend zurück, wollten am Derendorfweg schlafen. Als wenn nichts gewesen wäre.

(NGZ)