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Montag Ruhetag: Für Geschäftsleute haben Wirte in Neuss kein Angebot

Warum in Neuss gute Restaurants montags geschlossen bleiben : Ruhetage: Kein Angebot für ein Geschäftsessen

Der Montag ist Neusser Wirten heilig. Sehr zum Leidwesen von denen, die am ersten Tag der Wochen einen Kunden einladen wollen.

Pralinen von der Gänseleber im gebrannten Mandelmantel auf Portweingelee oder doch sanft geschmorter Rinderbug mit gestampften Kartoffeln und Ofengemüse? Wer auf diese Weise schmausen möchte, kann dies in Neuss tun – nur nicht montags. Denn dann haben bekannte „Gourmet-Tempel“ wie das „Stübchen“ oder der „Herzog von Burgund“ – die genannten Speisen stammen von ihren aktuellen Karten – ihren Ruhetag. Geschäftsleute, die Kunden oder Partnern am ersten Arbeitstag der Woche mittags etwas Besonderes bieten schauen in die Röhre. Und das nicht nur in den Restaurants an Preußen- oder Erftstraße. Auch Wolfgang Poluzyn vom Restaurant „Essenz“ in der „Bürger“ hält sich diesen Tag gerne frei.

Doch warum ist gerade am Montag „dicht“? Nachfrage bei „Stübchen“-Chef Axel Buß, der darauf die rheinischste aller Antworten gibt: „Es ist schon immer so gewesen“. Als man das Restaurant vor 20 Jahren übernommen habe, habe man auch die Öffnungszeiten übernommen. Heißt: Seit rund 40 Jahren ist im „Stübchen“ der Montag ein Ruhetag. „Und das hat sich bei den Leuten inzwischen eingeprägt“, meint Buß.

Überhaupt ist der Montag in Sachen Öffnungszeiten seiner Aussage nach schwierig, nicht nur in Neuss, sondern auch in anderen Städten, etwa in Düsseldorf. Seine Frau Annett und er hätten dann selbst das Problem, wenn sie mal ausgehen wollten. Genau das sagt auch sein Kollege Erich Tiefenbacher. Auch der „Herzog“-Inhaber kennt die verschlossene Tür am Montag aus Sicht des Gastes.

Denn wer meint, dass überhaupt nicht gearbeitet wird, nur weil die Küche kalt bleibt, der irrt. „Selbst und ständig“, nennt Tiefenbacher ein bekanntes Gastronomen-Motto. Unter anderem müssten die Reinigung und der Einkauf erledigt werden. Es gebe auch am Montag „Arbeit ohne Ende“.

Der „Herzog“ hatte bis vor acht Jahren noch täglich geöffnet. Dann kam aufgrund des Arbeitspensums die Frage auf: Mehr Mitarbeiter einstellen oder an zwei Tagen schließen? Tiefenbacher entschied sich für Variante zwei. „Und da lag es auf der Hand, die beiden Tage hintereinander zu legen.“ Also Sonntag und Montag. Eine weitere Begründung, warum sein Haus nicht am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag geschlossen bleibt: „Montag ist kein Businesstag.“

Ähnlich äußert sich Kollege Buß. Nicht zuletzt deswegen wären seiner Meinung nach auch Absprachen zwischen den Gastronomen wenig sinnvoll, nach dem Motto „Wir wechseln uns an den Montagen ab“. „Wenn wir montags aufmachen würden, hätten wir so gut wie gar nichts zu tun“, ist er überzeugt. Es lohne sich einfach nicht. Und nicht nur das: Es müsste ihm zufolge dafür ein anderer Tag geopfert werden, der im Zweifel stärker ist.

Übrigens findet Erich Tiefenbacher als Gast den Montag gar nicht so schlimm. „Sonntags ist es noch viel schwieriger, etwas zu finden.“ Das „Stübchen“ zumindest hat dann geöffnet.