1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Horst Dvorak: Möbelhäuser im Verdrängungskampf

Horst Dvorak : Möbelhäuser im Verdrängungskampf

Der Neusser Experte aus der Möbelbranche zu den Neubauplänen am Rheinpark-Center und den Folgen für die Stadt.

Herr Dvorak, der Rat hat mit Mehrheit den Grundsatzbeschluss zum Bau eines Möbelhauses gefasst. Sie sind Neusser, aber als Inhaber eines Möbelhauses in Duisburg nicht Mitbewerber um diesen Standort. Sind Sie trotzdem mitbetroffen?

Horst Dvorak Direkt Betroffener bin ich durch die Neusser Ratsentscheidung nicht, indirekt schon. Denn in der Region entsteht derzeit praktisch eine Möbelhaus-Linie. Zwei Neubauten sind in Duisburg geplant, zwei in Düsseldorf und jetzt auch einer in Neuss.

Und dann hat die Firma Segmüller, einer von drei Interessenten in Neuss, ja auch noch die Genehmigung zum Bau eines Möbelhauses in Pulheim.

Dvorak Richtig. Zusammengenommen entsteht in der Möbelszene ein Riesenzuwachs an Verkaufsfläche.

In Neuss macht sich der Einzelhandel in der Innenstadt Sorgen, dass ihnen das Möbelhaus am Rheinpark-Center Kunden abgräbt.

Dvorak Die Sorge ist sicher berechtigt. AlIe großflächigen Anbieter haben heute in der Regel ein großes Randsortiment. Die Investoren betonen zwar immer, das wäre von nachrangiger Bedeutung. Aber man muss klar feststellen, dass mit diesen Sortimenten heute große Umsätze gemacht werden mit entsprechendem massiven Werbedruck.

Ihre Prognose?

Dvorak Der Fachhandel hat nur eine Chance durch seine Stammkundschaft. Aber diese Gruppe wird immer kleiner, bedingt durch die starke Werbeaktivität der Großen.

Die Firma Schaffrath, in Neuss mit dem Möbelhaus Franz Knuffmann präsent, will ebenfalls bauen.

Dvorak Natürlich wollen sie das. Ich weiß, dass Schaffrath schon seit längerem auf der Suche nach einem Grundstück für einen Neubau ist, weil das Neusser Knuffmann-Haus nicht mehr zeitgemäß ist. Denn wer möchte schon einen Mitbewerber in seinem Einzugsgebiet haben?

Und wenn es Knuffmann nicht wird?

Dvorak Falls die Firma Segmüller ihr Möbelhaus bauen sollte, würde dies zu einem Verdrängungskrieg führen. Das zeichnet sich doch schon ab. Das Unternehmen Vonnahme aus Hilden wirbt schon jetzt in Neuss und wird das dann verstärkt werben. Falls Höffner in Düsseldorf bauen sollte, wird auch dieses Unternehmen in Neuss und Umgebung massiv werben.

Das Einzelhandelsgutachten wird von den Befürwortern eines Möbelhausneubaus gerne ins Feld geführt. Glauben Sie an das Argument, Neuss sei im Bereich Einrichtungssortimente unterversorgt?

Dvorak Nur auf die Stadt Neuss mit ihren fast 155 000 Einwohnern bezogen, ja. Aber wir dürfen Neuss nicht als isolierten Markt sehen. Wer will, ist in 15 Minuten in Möchengladbach, in Hilden oder in Düsseldorf. Die Entwicklung wird dieses Argument am Ende auch widerlegen. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass Knuffmann in Neuss bleibt, wenn Segmüller kommt.

Und groß mit 45 000 Quadratmetern Verkaufsfläche ganz groß baut.

Dvorak Das muss man bestimmt relativieren. Möbelhäuser werden heute mit großen Foyers, großen Restaurants gebaut. Ich bin ohnehin überzeugt, dass 20 000 bis 25 000 Quadratmeter reine Verkaufs- und Ausstellungsfläche für das Möbelsortiment ausreichend sind, weil die Zahl der Hersteller schrumpft und mit ihr das Angebot. Viele Lieferanten sind schon weg vom Markt. Die Restflächen werden im Normalfall für Boutique und Fachsortimente genutzt, weil diese die große, notwendige Kundenfrequenz bringt.

Der Name Segmüller ist schon gefallen. Kennen Sie den Mitbewerber?

Dvorak Natürlich. Ein sehr gut geführtes Unternehmen und derzeit eines der dynamischsten in Deutschland. Wo Segmüller ein Möbelhaus baut, entsteht eine Kaufmaschine. Segmüller in Neuss, das wäre super – wenn danach nicht noch alle möglichen anderen Anbieter kommen. Dass ein neues Zentrum entstehen könnte, sehe ich negativ – wegen der Innenstadt.

Aber Sie verstehen auch die Standortentscheidung?

Dvorak Sicher. So eine Lage hat selten jemand in Deutschland. Ein Sahnestück, um das Segmüller auch deshalb kämpfen wird, weil er sein Haus in Pulheim nicht wie eine Oase für sich stehen lassen will. Er braucht ein zweites Haus – und kann dann gleich zwischen beiden Standorten ein Zentrallager bauen.

(NGZ)