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Neuss: Moderner Tanz mit Überraschungseffekten

Neuss : Moderner Tanz mit Überraschungseffekten

Tosender Applaus war der Beweis. Bei den 30. Internationalen Tanzwochen traf die Ballett-Compagnie "Introdans" das Neusser Publikum mitten ins Herz. Dass das aktuelle Programm der Truppe aus dem niederländischen Arnheim gut ankommen würde, war vorauszusehen, denn es stellt in vier Choreografien unter dem Titel "Herzschlag" eine elementare Kraft in den Mittelpunkt: die Leidenschaft.

Überraschend allerdings war, dass nicht etwa Thierry Malandains tänzerische Interpretation von Ravels "Boléro" den emotionalen Höhepunkt bildete. Trotz der mitreißenden Musik blieb sie in ihrer minimalistischen Architektur aus zwölf Tänzern ein wenig blass. Vollends überzeugend dagegen gerieten gerade jene Choreografien, die sich auf wenige Tänzer konzentrierten. "Cor Perdut" des Spaniers Nacho Duato etwa, ein sanft-sinnlicher Pas de deux, in dem die Tänzer den arabisch beeinflussten hypnotischen Gesang von Maria del Mar Bonet in hinreißend fließende Bewegungen übersetzten.

Gleich zu Beginn faszinierte "Fugaz", ein Stück, das Cayetano Soto, ebenfalls aus Spanien, seinem verstorbenen Vater gewidmet hat. Vier Tänzerinnen in hautfarbenen Trikots bewegten sich zur eindringlichen Musik von Georges Ivanovitch Gurdjieff, bis eine schwarz gekleidete männliche Gestalt aus dem Publikum heraustrat und zu einer der Tänzerinnen auf die Bühne stieg. Wie ein vor dem dunklen Bühnenhintergrund fast unsichtbarer Schatten schien er nun ihr Geschick zu leiten und ihre Bewegungen wie ein Puppenspieler zu diktieren. Bis er den Lebensfaden durchtrennt zu haben schien. War das also der Tod, der den einen Menschen zeitig holt und dem anderen noch eine Frist gewährt?

Das umfangreichste Werk, dessen Überraschungseffekte mit Szenenapplaus belohnt wurden, war "Por Vos Muero", zu dem Nacho Duato sich von spanischer Musik und Dichtung aus dem 15. und 16. Jahrhundert inspirieren ließ. Ein tänzerisches Feuerwerk der Kontraste: zwischen höfischer Etikette und jugendlichem Übermut, weltlichem Flötenspiel und kirchlichen Gesängen, kecken Masken und mystischem Weihrauch, zwischen Licht und Finsternis. Eine moderne Bewegungssprache, die Elemente aus klassischem Ballett und zeitgenössischem Tanz miteinander verschmolz, war dafür das angemessene Ausdrucksmittel. Großartig.

(NGZ/rl)