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Neuss: Moderne Schatzsucher mit GPS

Neuss : Moderne Schatzsucher mit GPS

Jens Warth und Philip Kosizen sind Geocacher. Ein Hobby, bei dem es mit einem GPS-Gerät quer durchs Unterholz geht, auf der Suche nach einem kleinem Schatz, dem "Cache". Die Koordinaten für ihre Suche finden sie im Internet.

Der Waldboden ist nass und rutschig, es regnet und im Unterholz fällt es schwer, voranzukommen. Doch Jens Warth gibt nicht auf. Mit einem GPS-Gerät behält er die Koordinaten seines Ziels im Blick. Der 36-Jährige ist Geocacher. Heute ist er mit seinem Freund Philip Kosizen am Neusser Südpark auf der Jagd nach versteckten Schätzen. Wenige Minuten später hat er das Ziel seiner Suche entdeckt: Ein hohler Baumstumpf ist das geheime Versteck.

Moderne Schnitzeljagd

"Geocaching ist eine Art moderne Schnitzeljagd", erzählt Warth. Eigentlich ist er Finanzbuchhalter, doch mehrmals im Monat zieht es den Neusser in die Natur, auf die Suche nach kleinen Schätzen, die andere Geocacher versteckt haben. Denn Geocaching lebt von der Gemeinschaft der Internet-Community. Im Web tauscht sich Warth mit anderen Cachern aus, stellt eigene Verstecke ins Netz und ruft die Koordinaten neuer Schätze auf.

Der Cache am Südpark besteht aus einer kleinen Plastikdose. "Manchmal ist es auch eine wasserdichte Tüte", sagt der Schatzsucher und trägt sich in das Logbuch ein, das in der Dose versteckt ist. "Es gibt verschiedene Schwierigkeitsstufen und Arten von Caches", erläutert Warth. So gehen Geocacher bei der Suche nicht nur nach Koordinaten vor. Bei Nacht-Caches oder Rätsel-Caches müssen die Suchenden Aufgaben über mehrere Stationen lösen. Die Orte, an denen Caches versteckt werden, sind immer unterschiedlich. Sie sind in der Natur genauso zu finden wie in der Stadt, etwa unter Gullydeckeln.

"Es geht darum, interessante neue Orte kennenzulernen, die man sonst eigentlich nie finden würde", erklärt Warth. Hinzu komme natürlich auch der Reiz, Rätsel zu lösen und Verstecke zu finden. Der Neusser ist seit acht Jahren Geocacher. "Mittlerweile habe ich schon etwa 320 Caches in ganz Europa, unter anderem auch in Irland und Spanien, gefunden", sagt der 36-Jährige. Dabei kombiniert er sein Hobby auch mit Urlaub oder Dienstreisen.

"Es ist eine Freizeitaktivität, die man alleine, in einer kleinen Gruppe, aber auch mit der ganzen Familie macht", erzählt sein Freund Kosizen, der seit zwei Jahren dabei ist. "Wir sind draußen unterwegs und lernen immer neue Orte kennen."

Wichtig sei aber vor allem, unauffällig bei der Suche zu sein, damit Unwissende die Verstecke nicht bemerken und zerstören. "Außerdem sollten die Geocacher vermeiden, die Natur bei der Suche zu schädigen, sagt Warth, der weiß, dass sich einige Förster schon beschwert haben. Deswegen versucht er, möglichst wenig Spuren zu hinterlassen, als er den Cache am Südpark wieder versteckt. Dabei geht er sorgfältig vor — schließlich soll auch der nächste Cacher Spaß daran haben, diesen Schatz zu heben.

(NGZ/ac)