Sala Lieber: Moderne Liebe zum Barock

Sala Lieber: Moderne Liebe zum Barock

Die in Budapest geborene Malerin Sala Lieber ist mit 29 Jahren schon so weit, dass sie von ihrer Kunst gut leben kann. Die Düsseldorfer Kunstförderpreisträgerin 2008 ist vor einem Monat nach Neuss gezogen.

Ihren Meisterbrief hat sie erst vor drei Jahren bekommen, ist aber schon so gut im Geschäft, dass es sie selbst erstaunt: "Es muss wohl auch an den Genen meiner Händlerfamilie liegen", sagt Sala (sprich: Schala) Lieber lachend. Mehr aber wohl noch an ihrer individuellen Handschrift, obwohl sie sich an alten Motiven orientiert. Denn die in Budapest geborene Künstlerin malt Bilder von barocker Farbpracht und durch das Rokoko inspirierte Ornamentik, aber hat dafür einen ganz eigenen Stil entwickelt: pfiffig, modern und oft mit einer großen Prise Humor. Was der Meisterschülerin von Professor Herbert Brandl an der Kunstakademie im vergangenen Jahr gleich zwei Auszeichnungen eingebracht hat: den Kunstförderpreis der Landeshauptstadt und den Kaiserwerther Kunstpreis eines privaten Kunstfreundekreises.

Vor rund einem Monat ist die Malerin mit ihrer Familie dennoch von Düsseldorf nach Neuss gezogen. Mitten in die Innenstadt, in ein denkmalgeschütztes Haus. Ihr Atelier liegt im Erdgeschoss, und wenn Sala Lieber die Fenster nicht mit zwar transparenten, aber gräulichen Bespannungen abgehängt hätte, könnte jeder Passant verfolgen, woran sie gerade arbeitet — inmitten kleiner Berge aus edlen Stoffen in den Ecken, jeder Menge Fotos und kleiner Inseln von noch frischen und schon ausgedrückten Farbtuben auf dem Boden.

An den Wänden lehnen derzeit zwei großformatige Bilder — eines, das für die nächste Ausstellung auf der Artfair 21 in Köln in Arbeit ist, und eines, das Sala Lieber gerade verkauft hat. "Leider", sagt die 29-Jährige ein wenig bedauernd, denn das Werk gehört eigentlich zu ihren Lieblingsbildern, spiegelt es doch in eine Phase wieder, als ihr kleiner Sohn nach einer frühen Geburt Geborgenheit und Schutz brauchte. Also ist die Stärke der Händler-Gene vielleicht doch nicht zu unterschätzen ...

Sala Liebers Eltern besaßen in Ungarn ein Antiquitätengeschäft. "Ich bin mit alten Möbel aufgewachsen und habe daher auch meine Vorliebe für barocke Motive", sagt sie lachend. Als Jugendliche hat sie durchaus dagegen angekämpft, gibt sie zu, aber irgendwann einfach gemerkt, dass ihre Liebe zum großen Dekor "Teil meines Lebens ist" und deswegen auch die Grundlage ihrer Malerei — wobei sie das Dekor zum Hauptthema erhebt und es mit Phantasie und großer handwerklicher Kunst in neue Zusammenhänge bringt. Da lösen sich Ornamente schon mal zu Lianen auf, an denen sich ein Affe entlang hangelt. Fell- und Federtiere sind ohne gern genutzte Motive: "Ich mag sie, bin mit ihnen auf dem Dorf aufgewachsen", erklärt sie. Und als Malerin liebt sie die Möglichkeiten, die ein mehrtöniges Hasenfell oder ein schimmerndes Federkleid in sich bergen.

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In Dresden studiert

Der Vater hat das Talent der Tochter früh erkannt, sie schon als kleines Kind kilometerweit vier bis fünf Mal in der Woche zum Zeichenunterricht chauffiert. "Da habe ich die Grundlagen gelernt", sagt sie, "und seit ich zehn Jahre alt war, weiß ich, dass ich Malerin werden will". Als 15-Jährige kam sie mit ihrer Familie nach Dresden, begann dort vier Jahre später ein Studium an der Kunstakademie und lernte Oskar Kokoschka und Bernhard Heisig als Vorbilder schätzen. Die Eltern gingen zwar zurück nach Ungarn, aber Sala Lieber blieb, wechselte mit 21 Jahren nach Düsseldorf.

Im Rheinland lernte sie auch ihren Mann kennen, den Steinmetz Roberto Hanser aus Kaarst. Mit ihm und Sohn David (14 Monate) ist sie in das neue alte Haus gezogen, das im Innern mit seiner zwar stimmigen, aber doch schlichten Einrichtung so gar nicht zur Kunst von Sala Lieber passen will. "Ein bisschen kommt noch was dazu", kommentiert sie, und ihren blauen Augen blitzt der Schalk, "Kronleuchter zum Beispiel".

(RP)
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