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Neuss: Modellprojekt fördert die Kinder-Gesundheit

Neuss : Modellprojekt fördert die Kinder-Gesundheit

Eltern, Erzieher, Lehrer und Ärzte bilden ein Netzwerk. Weckhoven übernimmt die Vorreiterrolle.

Zur Förderung von Kindern in den verschiedenen Phasen ihres Lebens gibt es bereits viele Programme. Mit dem Modellprojekt "Primärpräventionskette" des Rhein-Kreises Neuss sollen diese nun miteinander verbunden und ineinander übergehen, und zwar von der Geburt bis zur Einschulung des Kindes.

Genauer gesagt setzt die Kette bereits in der Schwangerschaft an. Sie gilt als Wegbereiter für eine bessere Sozial- und Schulprognose, für eine gesunde Entwicklung und eine Kostenbremse im System. Zielgruppe sind Eltern, Erzieherinnen, Einrichtungen, Netzwerke — und natürlich die Kinder.

Als Modellgebiet wählte das Kreis-Gesundheitsamt Weckhoven aus. Hier leben 1739 Kinder, davon rund 500 unter sechs Jahre. Aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur weist der Stadtteil Merkmale sozialer Benachteiligung auf: 43 Prozent der 8770 Einwohner sind Niedrigverdiener, 28 Prozent beziehen Arbeitslosengeld II, die Überschuldungsrate beträgt knapp 16 Prozent. "Sieben Krankenkassen konnten wir bereits für eine finanzielle Unterstützung des Projekts gewinnen", sagt die Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Gesundheitsdienstes im Rhein-Kreis Neuss, Dr. Beate Klapdor-Volmar. Im Boot hat sie auch alle Kindertagesstätten und Familienzentren vor Ort, unter anderem die evangelische Kindertagesstätte "Friederike Fliedner".

Die Einrichtung selbst bietet keine U3-Betreuung, doch ihre Leiterin Brigitte Falke-Dederichs weiß sehr wohl, wie wichtig die allerersten Lebensjahre für die weitere Entwicklung des Kindes sind. "Viele Eltern, die vor allem zum ersten Mal ein Kind haben, brauchen jemanden an ihrer Seite, der sie berät", sagt Falke-Dederichs. Ihre Einrichtung partizipiert am Programm "prokita", das bereits seit zehn Jahren im Rhein-Kreis Neuss durchgeführt wird. Es gibt den Erziehern und den Eltern Empfehlungen für Förderbedürfnisse und eventuellen Therapiebedarf bei Kindern ab vier Jahren bis zur Einschulung.

"Prokita" stellt auch ein Glied in der Primärpräventionskette dar. Der Kern des Modellprojekts liegt aber in der U3-Betreuung. "Die ersten 18 Monate sind lebenswichtig für die Entwicklung des Gehirns", sagt Klapdor-Volmar. Schwerpunkte der Präventionsarbeit sind seelische Gesundheit, Bewegung, Ernährung, Sucht und Sprachentwicklung. Zur Dokumentation des Projektes sind vier Untersuchungen der Kinder bei der Aufnahme, mit zwei und vier Jahren sowie abschließend zur Einschulung vorgesehen. Beate Klapdor-Volmar möchte gerne zum 1. Januar 2014 starten.

(stef)