Mobilität: Neuss plant ein Modellkonzept für Micro-Hubs

Neuss soll Vorbild für andere Städte werden: City-Verkehr soll entlastet werden

Verteilzentren für Waren sollen das Lieferverkehr-Problem in Neuss lösen.

Mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur kommen auf die Stadt Neuss große Herausforderungen zu. Der Lieferverkehr nimmt stetig zu, auch durch den wachsenden Onlinehandel befeuert. Doch Warenlieferungen bequem nach Hause geliefert zu bekommen, hat eine vor allem in der Innenstadt deutlich spürbare Schattenseite: immer vollere Straßen. Die sogenannte letzte Meile, also das letzte Stück in der Lieferkette, wird daher besonders in den Blick genommen, um die Innenstadt zu entlasten. „Deshalb haben wir aus der MIT heraus den Antrag zum Micro-Hub initiiert“, sagt der Logistikexperte Thomas Klann. Der Christdemokrat ist auch Mitglied der Kommission Energie, Umwelt, Bau und Verkehr des Bundesverbandes der Mittelstandsvereinigung (MIT) der CDU.

Die Idee: Mit einem solchen Micro-Hub – also einem Verteilzentrum für Waren – im Bahnhofsbereich könnte der motorisierte Innenstadtlieferverkehr deutlich reduziert werden. Statt Transporter könnten zum Beispiel E-Lastenfahrräder oder Street-Scooter eingesetzt werden. Das ist ein wesentlicher Bestandteil des Modellkonzepts, das die Verwaltung derzeit erarbeitet. Den entsprechenden Antrag, den der Wirtschafts- und Liegenschaftsausschuss dann auf den Weg brachte, hatte die schwarz-grüne Koalition im Januar eingereicht.

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Die Stadt legt nun einen Zwischenbericht vor. Ziel ist es, ein grundsätzliches Modellkonzept zur Entwicklung von Micro-Hub-Systemen für mittelgroße Städte im interkommunalen Verbund zu entwickeln. Als Partner ist unter anderem die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein im Boot. Sie beabsichtigt, eine Konzeptstudie für die Städte Neuss, Krefeld und Mönchengladbach in Auftrag zu geben. Sie soll aufzeigen, wie durch die Einrichtung von Zwischenstationen – eben den geplanten Micro-Hubs – die Einfahrt von großen Lkw und Transportern in die Innenstadt minimiert werden kann. Auf der letzten Meile wird dann alternativ zu Fuß, per E-Bike oder Street-Scooter zugestellt.

Neuss könnte dabei zum Vorbild für weitere Städte werden. Denn das Konzept soll auf Städte in ähnlicher Größenordnung übertragen werden können. Bei der Finanzierung soll das NRW-Verkehrsministerium einspringen und einen Großteil der 180.000 Euro, die die Machbarkeitsstudie wohl kosten würde, über Fördermittel tragen.

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