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Mobbing: Stadt Neuss plant Aktionstag

Jugendamt soll Konzept entwickeln : Stadt Neuss plant Aktionstag gegen Mobbing

Mit Workshops und anderen Angeboten sollen Schulen, Verbände, Vereine und Co. ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen – im Jahr 2019 könnte es losgehen. Der Vorstoß geht auf einen Antrag der FDP-Fraktion zurück.

Laut einer PISA-Studie wird an deutschen Schulen fast jeder sechste 15-jährige Schüler regelmäßig Opfer von teils massiver körperlicher oder seelischer Misshandlung durch seine Mitschüler. Doch nicht nur in der Schule ist Mobbing ein weit verbreitetes Problem, sondern auch im Arbeitsleben. Nun soll die Stadt Neuss ein Zeichen setzen – mit einem speziellen Aktionstag.

So wurde das Neusser Jugendamt im jüngsten Jugendhilfeausschuss beauftragt, ein Konzept für einen Anti-Mobbing-Tag zu entwickelt. Die Ergebnisse sollen im ersten Jugendhilfeausschuss 2019 vorgestellt werden. Noch im selben Jahr soll der Tag zum ersten Mal stattfinden.

Der Vorstoß geht auf einen Antrag der FDP-Fraktion zurück, der – leicht modelliert – beschlossen wurde. Tenor bei den anderen Ausschussmitgliedern: Die Idee ist gut, aber sie muss noch mit Leben gefüllt werden. „Mir ist noch nicht so ganz klar, was an diesem Tag passieren soll“, sagte Holger Lehnhoff vom Haus der Jugend, der vorschlug, zunächst einen Runden Tisch zu dem Thema zu machen. Dabei solle ein Netzwerk verschiedener Protagonisten geschaffen werden.

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Der Vorschlag von Thomas Kaumanns, jugendpolitischer Sprecher der CDU, die Organisation des Aktionstages ob der angespannten Personalsituation im Jugendamt den Verbänden und Trägern zu geben, fand kein Gehör.

Bülent Öztas, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo), störte sich lediglich am ausgewählten Namen des Projektes: „Statt ,Anti’ wäre mir etwas Positiveres lieber, mit dem sich die Jugendlichen identifizieren können.“

Marc Vanderfuhr machte deutlich, wie wichtig es bei der Planung eines Anti-Mobbing-Tages ist, die Schulen mit ins Boot zu holen. „In Jugendeinrichtungen bekommt man das Thema gut in den Griff, im Bereich Schule gibt es Nachholbedarf“, so der SPD-Stadtverordnete. Das bestätigte Sozialdezernent Ralf Hoersken, der betonte, dass auch das Thema Cyber-Mobbing thematisiert werden sollte.

Die FDP-Fraktion begründet ihren Antrag damit, dass Jugendliche und Erwachsene täglich schlimme Erfahrungen mit Mobbing machen. Sei es in der Schule, im Sportverein, im Bereich Social Media oder im Alltag durch Beleidigung und Ausgrenzung. „Viele leiden unter den psychischen und psychischen Auswirkungen und werden mit den Belastungen nicht fertig. Das kann soweit führen, dass sie sich weigern, in die Schule zu gehen, sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen oder sich sogar in Extremfällen das Leben nehmen“, so die Begründung.

Der stadtweite Aktions-Tag solle auf dieses Problem aufmerksam machen und gleichzeitig Hilfsangebote aufzeigen. Als möglicher Kooperationspartner wird der Verein „Stoppt Mobbing“ genannt, der das Programm mit entwickeln könnte. Neuss soll dabei Vorreiter für andere Kommunen sein und unter anderem verschiedene Workshops anbieten.

Jochen Baur ist als Streetworker auf den Neusser Straßen unterwegs und kennt die Probleme der Jugendlichen. „Grundsätzlich ist so ein Aktionstag eine gute Sache – denn Mobbing ist an Schulen nicht erst seit gestern ein Thema“, so der Experte. Durch die sozialen Medien habe sich die Problematik in den vergangenen Jahren aber nochmal verstärkt. Das merke er in seiner täglichen Arbeit. So habe er Jugendliche kennengelernt, die wegen der psychischen Belastung nicht mehr in die Schule gehen wollten.