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Rhein-Kreis Neuss: Mitreißende Opern-Gala auf Schloss Dyck

Rhein-Kreis Neuss : Mitreißende Opern-Gala auf Schloss Dyck

Mehrere Hundert Besucher trotzten dem Wetter und lauschten vor der Orangerie des Schlosses dem Konzert. Sie wurden nicht enttäuscht. Der Klang überzeugte auch unter Freiluftbedingungen, genauso wie Orchester und Solisten.

Petrus steht nicht auf der Seite der Freunde und Förderer von Schloss Dyck. Hatte beim letzten Open-Air-Konzert auf der großzügigen Schlosswiese vor vier Jahren ein eiskalter Wind die Sommernachtsträume der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) gnadenlos zersaust, beeinträchtigte zum kleinen Jubiläum "Zehn Jahre Dycker Schlosskonzerte" ein bis zur Pause permanenter Nieselregen die gute Stimmung.

Dabei hatte der Förderkreis mit seinem agilen Vorsitzenden, dem langjährigen Kreistagsabgeordneten Heinz-Willi Maassen aus Neuss, und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern mit großem Aufwand alles getan, um das Jubiläumskonzert vor der Orangerie des Schlosses zu einem Erlebnis zu machen. Etliche Zelte boten vielen Besuchern komfortablen Schutz, kostenlos verteilte Regenponchos sorgten für einen grandiosen Einheitslook in Dunkelgrau.

Dieses ungewöhnliche, gleichwohl imposante Bild beeindruckte auch den Moderator des Abends, Wolfram Goertz. Der Musikredakteur der Rheinischen Post sah in dem Publikum einen "gewaltigen Chor der Schmuggler" aus Bizets Oper "Carmen".

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Eine Opern-Gala hatte Stefan Palm, künstlerischer Leiter der Dycker Schlosskonzerte, eingerichtet und sein "Palm Concertino" zu großer symphonischer Besetzung aufgebaut. Die hervorragende technische Ausstattung sorgte dafür, dass auch die Harfe bei den Gruppen, die sich unter schützenden Bäumen nieder gelassen hatten, wunderbar vernehmlich war. Einige Hundert trotzten dem Wetter, unter ihnen viele Neusser, die sich hier für die entgangene Klassiknacht im Rosengarten entschädigten. Denn im Gegensatz zum Neusser Stadtgarten war "Ela" an Schloss Dyck vorbei gezogen.

Mozarts Ouvertüre zur "Hochzeit des Figaro" eröffnete den klassischen Reigen geballter Opern-Highlights. Stefan Palm hatte ein großartiges Ensemble zusammengestellt, von dem er bei dem ein oder anderen Walzer ruhig mehr Temperament hätte fordern können. Franz Lehárs Duett aus "Die lustige Witwe" ließ aber vornehmlich "die Lippen schweigen". Klasse Solisten im Ensemble: Laura Palm (Violine) glänzte gleich in drei Solo-Auftritten: Die wunderschöne Meditation aus Massenets Oper "Thais" wurde vollendet beschleunigt in einem "Czárdás". Andy Miles (Klarinette) animierte zunächst im Mittelsatz "Adagio" von Mozarts meisterlichem Klarinettenkonzert die Frösche im Schlossteich zum abgestimmten "Quak", brillierte dann wirklich solo in Astor Piazollas "Oblivion".

Erstklassig auch die Auswahl der Vokalsolisten: Max An (Tenor) machte das inzwischen unsterbliche "Nessun dorma" aus Giacomo Puccinis Oper "Turandot" lyrisch wieder zum Hörgenuss. In der Gunst des Publikums obsiegte allerdings Antje Bitterlich, die mit herrlich reinem Sopran bei mehreren Arien begeistern konnte. Mühelos erreichte sie in "Je veux vivre" aus Charles Gounods Oper "Romeo und Julia" das dreigestrichene "E": Phantastisch!

Zum Ende wurde es ein wenig still mit Streicher-Pizzicato und Nachtgebet. Stefan Palm jagte aber schließlich mit Polka und Marsch die Regenwolken hinweg.

(NGZ)