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Neuss: Mitarbeiter retten ihr Werk

Neuss : Mitarbeiter retten ihr Werk

"Brand bei FS Karton": Wie zuletzt vor zwei Jahren löste das Stichwort löste einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungskräften aus. Doch das Werk hat aus der Beinahe-Katastrophe 2010 gelernt – und erntet jetzt den Lohn.

"Brand bei FS Karton": Wie zuletzt vor zwei Jahren löste das Stichwort löste einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungskräften aus. Doch das Werk hat aus der Beinahe-Katastrophe 2010 gelernt — und erntet jetzt den Lohn.

Einsatzbereitschaft hergestellt: Als die Wehr den Einsatz übernahm, war das Feuer schon unter Kontrolle. Foto: F. Kirschstein

57 ihrer 350 Mitarbeiter hat die Firma FS Karton seit der Beinahe-Katastrophe vor zwei Jahren, als beim Brand des Außenlagers der Kartonagenfabrik ein Millionen-Schaden entstanden war, zu Brandschutzhelfern ausgebildet. Das hat sich gelohnt. Denn als die am späten Donnerstagabend alarmierte Feuerwehr vor Ort eintraf, hatten die Mitarbeiter den in einer Halle der Verarbeitungsanlage ausgebrochenen Brand schon in den Griff bekommen.

Großeinsatz der Feuerwehr: Kurz nach der Alarmierung trafen Helfer von sechs Löschzügen bei der Firma FS-Karton ein. Foto: D. Staniek

Dass elf dieser Brandschutzhelfer von der Feuerwehr mit Verdacht auf Rauchvergiftung in ein Krankenhaus gebracht wurden, nannte Werksleiter Walter Wincheringer gestern eine reine Vorsichtsmaßnahme. Trotzdem kann er mit dieser Zahl nicht zufrieden sein. "Die Mitarbeiter haben Anweisung, sich nicht in Gefahr zu bringen", betont Wincheringer. Und in diesem Fall, so erklärt der Brandschutzexperte Reinhold Keuchel, sind sie "ihrem Fluchtinstinkt vielleicht 60 Sekunden zu spät gefolgt". Darüber werde zu reden sein.

Ein automatischer Brandmelder hatte am Donnerstag gegen 22.15 Uhr Alarm ausgelöst. An einem Transportband war ein Papierstau entstanden, der durch die Reibung Feuer fing. Die auch in diesem Teil des Werkes installierte Sprinkleranlage sprang nicht an. Technischer Defekt? Nein, betont Keuchel. Vielmehr war der Brand schon gelöscht, bevor am Brandort die für eine Auslösung nötigen 150 Grad Hitze erreicht wurden. "Die Helfer waren einfach zu schnell." Und der Schaden mit 5000 Euro minimal.

Stichwort FS Karton reichte

Aber das wusste Ferdinand Baier von der Feuerwehr Neuss noch nicht, als er Großalarm auslöste. Nachdem er schon 2010 der erste Einsatzleiter gewesen war, reichten ihm das Stichwort "Feuer Halle" und der Name FS Karton, um an der Feuerwache Hammfelddamm gleich alle Garagentore hochfahren zu lassen und gut 70 Mann zu mobilisieren. "Beim Namen FS Karton ist die Anspannung sofort groß", erklärt Joachim Elblinger, der Leiter Gefahrenabwehr, diese Reaktion.

Ein weiteres Stichwort in der Alarmierung — "Massenanfall an Verletzten" — löste auch einen Großeinsatz der Rettungskräfte aus. 30 Sanitäter und insgesamt sechs RTW rückten ins Barbaraviertel ab, wo 16 Werksmitarbeiter von der Wehr aus der Halle gebracht und elf medizinisch versorgt wurden. Der letzte Verletzte konnte allerdings schon um 4 Uhr in der gleichen Nacht das Krankenhaus verlassen. "Das Werk hat seine Hausaufgaben gemacht", stellte der stellvertretende Kreisbrandmeister Stefan Meuter nach Einsatzende anerkennend fest.

Für diese "Hausaufgaben" hatte FS Karton vor zwei Jahren den Brandsachverständigen Keuchel verpflichtet, der als Löschzugführer in Grefrath auch die Feuerwehrpraxis kennt. Er half bei der Umsetzung der Auflagen, die dem Werk nach dem Brand im Juli 2010 gemacht worden waren, führte den regelmäßigen "Tag des Brandschutzes" im Werk ein, schulte Brandschutzbeauftragte und wird jetzt — nach dem erneuten Feuer — auf eine Videoüberwachung dieses Transportbandes drängen.

Betriebsrat sieht mögliche Folgen

Dass das Werk dem folgt, ist für den Gesamtbetriebsrat Hubert Esser keine Frage: "Wenn die Fabrik abbrennen würde — und das geht schnell — sind die Arbeitsplätze hier unwiederbringlich verloren."

(NGZ)