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Neuss: Mit Plakaten gegen Benzindiebe

Neuss : Mit Plakaten gegen Benzindiebe

Ein Neusser Pächter hat einen Dieb, der seine Tankstelle immer wieder zum Selbstbedienungsladen macht, jetzt zur Fahndung ausgehängt. Auf Baustellen wehren sich die Firmen mit anderen Tricks, aber nicht immer erfolgreich.

"Dieser Mann ist ein Dieb": Ein Zettel an allen Zapfsäulen der Jet-Tankstelle an der Jülicher Straße macht alle Kunden auf ein Problem deutlich, das viele Tankstellenbetreiber auch in Neuss haben: Benzindiebstahl. Das Thema ist nicht neu, betont Jürgen Ziegner, Geschäftsführer vom Zentralverband des Tankstellengewerbes. "Neu ist allerdings, dass der Pächter die Steckbriefe selber macht. Sonst ist das Sache der Polizei."

Ehrliche Tankkunden wie Günther Schmidt sollen die Augen nach dem dreisten Seriendieb aufhalten. Foto: Büntig

Tankstellen sind heute technisch meist hoch gerüstet. Bei Autobahntankstellen wurden schon vor Jahren Videokameras zur Überwachung eingesetzt, in Anlagen vor allem an Ausfallstraßen sind sie ebenfalls inzwischen Standard. "Groß, unübersichtlich und mit guten Fluchtmöglichkeiten — solche Tankstellen haben ein Problem", nennt Ziegner die Kriterien, die Pächter ins Visier von Benzindieben bringen. Hans-Willi Arnold, Sprecher der Kreispolizeibehörde, kann das nur bestätigen: "Beliebt sind Tankstellen in Autobahnnähe." Und Auffahrten zu solchen Schnellstraßen hat Neuss reichlich.

120 Fälle von Benzindiebstahl wurden von Januar bis August allein in der Stadt Neuss zur Anzeige gebracht. Zum Vergleich: 182 waren es im gleichen Zeitraum 2011. Eine Begründung für den Rückgang hat Arnold nicht: "An den niedrigen Spritpreisen wird es nicht liegen." Denn die steigen und steigen — und mit ihnen (fast) überall die Zahl der Diebstahlsdelikte. Jüngsten Statistiken des Bundeskriminalamtes Wiesbanden zufolge um rund neun Prozent. Positiv ist allerdings die Aufklärungsquote. 50 von den 120 Benzindieben in diesem Jahr wurden schon dingfest gemacht.

Dass Benzinklau nicht nur die Tankstellen betrifft, kann Peter Guth bestätigen. Er ist als Bauleiter beim Ausbau der A 57 für die derzeit größte Baustelle im Stadtgebiet verantwortlich. "Ein Riesenproblem", sagt er, obwohl die Baufirmen längst Sicherheitsdienste eingeschaltet haben. Trotzdem werden Tanks an Baggern und Baumaschinen mit schöner Regelmäßigkeit aufgebrochen und der Kraftstoff abgesaugt. Die Idee, die Tanks leer zu fahren und erst zum Schichtbeginn zu füllen, funktioniere auch nicht immer: "Man hat uns mal einen Zettel an den Tank geklebt", berichtet Guth. "Entweder ist morgen Diesel drin, oder wir schütten Zucker und Dreck rein."

Auf die Wirkung von Zetteln setzt auch der Jet-Pächter, der den dreisten Dieb gut beschreiben kann: Er kommt immer abends mit einem silbernen Ford, tankt an Säule drei und verschwindet. Die Kennzeichen "WOB" sind gestohlen.

(NGZ/rl)