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Neuss: Mit offenen Ohren durch die Stadt

Neuss : Mit offenen Ohren durch die Stadt

Neusser Geräusche

Neuss hat seinen eigenen Klang, sein eigenes Musikstück mit lachenden Kindern als Sopran, Kirchen als Bariton und Baustellenlärm als Bass. Hören kann das nur, wer achtsam durch die Stadt flaniert – und sich dabei ganz von seinen Ohren leiten lässt. Ein Rundgang der besonderen Art.

Neuss hat seinen eigenen Klang, sein eigenes Musikstück mit lachenden Kindern als Sopran, Kirchen als Bariton und Baustellenlärm als Bass. Hören kann das nur, wer achtsam durch die Stadt flaniert — und sich dabei ganz von seinen Ohren leiten lässt. Ein Rundgang der besonderen Art.

Jede Stadt hat ihre eigenen Geräusche, ihren speziellen Klang. Eine Musik aus Kirchenglocken, Straßenlärm und den Gesprächen der vorbeiziehenden Passanten. Auch in Neuss ist das so — auch wenn die Geräuschkulisse oft gar nicht mehr bemerkt wird von den Menschen, die mit ihrer Einkaufstour oder dem Eis im Café beschäftigt sind.

Dabei klingelt und bimmelt es in der Quirinusstadt häufig. Nicht nur das Münster sorgt zur vollen Stunde mit seinem Gong für Aufmerksamkeit, auch die Straßenbahn mit ihrem charakteristischen "Bing" gehört in Neuss zum musikalischen Stadtbild.

Auffällig und mehrstimmig ist das Schützenglockenspiel im Vogthaus, für das so manch ein Besucher dann doch stehenbleibt, um zuzuhören.

Gewöhnt haben sich die Passanten auch an den Baulärm, der zur Innenstadt nicht erst seit dem Bau des Romaneums dazugehört. Ständig wird die Stadt verbessert, verschönert, die Straßenführung verändert .

Das Wummern der Maschinen sorgt für den Bass des City-Musikstücks, das seinen Sopran aus jauchzenden Kinderstimmen bezieht, die sich beim Wasserspiel am Marktplatz vergnügen.

Im Hintergrund röhrt der Verkehr der Batteriestraße, und wer hinunter schlendert zur neuen Promenade, lauscht, an der Hafentreppe sitzend, den Geräuschen des Wassers, der Schiffe und der Ölmühlen, die Rapssaat verladen — Sound der Industrieromantik.

Der Rundgang vorbei am Kino, wo in der Strandbar Musik läuft, führt über den Meererhof und den Neumarkt zurück in die Stadt — dort ist die City weniger belebt, es ist ruhig.

Über die Münsterstraße geht es wieder Richtung Zentrum, vorbei am plätschernden Brunnen vor der Quirinus-Basilika hin zum Büchel, dort lebt die Stadt, stehen die Straßenmusiker, und die Werbejingles der Geschäfte tönen auf die Straße, um die Passanten anzulocken, die dort flanieren. Und schon bimmelt die Straßenbahn — ein klingendes Gesamtkunstwerk, dieses Neuss.

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Was wie laut ist

20 Dezibel Ticken einer Armbanduhr
40 db leise Musik
50 db Regen, Kühlschrankgeräusche
55 db normales Gespräch
65 db Kantinenlärm
70 db Fernseher, Schreien, Rasenmäher
80 db Telefonläuten, Presslufthammer
100 db Ghettoblaster
110 db Diskomusik, Symphoniekonzert, Motorsäge, Autohupe
120 db Kettensäge, Gewitterdonner
130 db Autorennen, Düsenjäger

(NGZ)