Rhein-Kreis Neuss: Mit Meisterbrief zum Studium

Rhein-Kreis Neuss : Mit Meisterbrief zum Studium

An der Hessischen Berufsakademie können nicht nur Abiturienten studieren, sondern auch Handwerker, die bereits einen Meistertitel haben und sich neben ihrem Beruf weiter qualifizieren möchten.

Wer in einem gewerblich-technischen Beruf arbeitet und sich weiterqualifizieren möchte, kann ein Ingenieur-Studium an der Hessischen Berufsakademie aufnehmen. Das 2010 eröffnete Neusser Studienzentrum teilt sich die Räume mit dem Berufskolleg am Neusser Hammfelddamm: Tagsüber lernen dort die Auszubildenden, abends und an den Samstagen wird studiert.

Das sind die Studiengänge In sieben Semestern kann berufs- oder ausbildungsbegleitend der Bachelor of Engineering in den Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik oder Mechatronik erworben werden.

Was kostet es? Das Bachelor-Studium kostet insgesamt 13 500 Euro plus eine einmalige Prüfungsgebühr von 300 Euro. Gezahlt wird in der Regel in 48 Monatsraten in Höhe von 281 Euro. Viele Studierende bringen die Gebühren selbst auf, manche Firmen geben einen Zuschuss oder übernehmen die Kosten.

Daten & Fakten Die Hessische Berufsakademie gehört zur Stiftung BildungsCentrum der Wirtschaft (BCW) in Essen. Zugelassen zum Studium sind Abiturienten, Fachabiturienten, staatlich geprüfte Techniker und Meister.

Das sagt der Professor Großen Wert auf Praxisbezug legt Professor Frank-Michael Barth. Er lehrt in Neuss Mathematik für Ingenieure. Gerade in der Mathematik sei der Unterricht oft viel zu theoretisch und das Wissen kaum anwendbar. Als Berufspraktiker wisse er dagegen genau, was am Arbeitsplatz gefragt sei. Der Beruf des Ingenieurs ist für ihn "der schönste Beruf, den es überhaupt gibt". Barth ist seit 20 Jahren bei der Bayer AG beschäftigt und arbeitet dort inzwischen als "senior expert" für Auslandseinsätze. In dem berufsbegleitenden Studium sei zudem die persönliche Atmosphäre ein großer Vorteil: "Ich kenne alle Studenten", sagt Barth. Sein Tipp: "Unser Brückenkursus Mathematik ist eine sehr gute Vorbereitung auf das Studium."

So urteilt die Studentin "Andere kaufen sich ein Auto, ich investiere mein Geld in meine berufliche Zukunft", sagt Jessica Klapdor aus Düsseldorf. Die 32-jährige Elektro-Meisterin arbeitet in einem Handwerksbetrieb und studiert zweimal wöchentlich abends sowie samstags Elektrotechnik an der Hessischen Berufsakademie. Das bedeutet für sie nicht nur eine große finanzielle Investition, sondern auch kaum Freizeit. Doch die Mühe lohne sich: "Ich möchte mich weiterbilden und würde später gerne in einem Berufskolleg unterrichten", berichtet sie. Die gute Gemeinschaft unter den Kommilitonen und die große Unterstützung der die Dozenten motiviere sie zum Durchhalten. Dass sie als Meisterin auch ohne Abitur studieren kann, findet Klapdor "einfach großartig".

(NGZ)