Neuss: Mit Korruption trifft Neuss "nichts Exotisches"

Neuss : Mit Korruption trifft Neuss "nichts Exotisches"

Der neuerliche Korruptionsverdachtsfall im Rathaus hat die Neusser Politik alarmiert. "Wir werden eine Berichterstattung des Bürgermeisters in einer Sondersitzung des Haupt- oder Finanzausschusses verlangen", kündigte der SPD-Fraktionsvorsitzende Reiner Breuer an, während Helga Koenemann (CDU) noch weiter geht und neben einer vollständigen Aufklärung auch eine "wirksame Kontrolle" fordert. Denn sie weiß, was Andreas Riegel, Regionalsprecher Rheinland der Organisation "Transparency", auf die Formel bringt: "Korruptionsdelikte sind immer Kontrolldefizitdelikte."

Am Montag war bekannt geworden, dass im Gebäudemanagement zwei Bauleiter unter Korruptionsverdacht stehen und aus dem Dienst entfernt wurden. Ein dritter Verdächtiger war kurz nach seiner Entdeckung vor einigen Monaten bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Den ersten Bauleiter hatte die Staatsanwaltschaft Wuppertal schon im vergangenen Jahr identifiziert. Er soll einem Mönchengladbacher Elektrounternehmen Aufträge gegen Geschenke zugeschanzt haben. "Der Verdacht hat sich erhärtet", erklärt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilmann Baumert. "Aber von Geschenken reden wir schon nicht mehr. Da sind Schmiergelder geflossen." Über diesen ersten Verdächtigen stießen die Ermittler schließlich auf den Namen eines zweiten Neusser Bauleiters, erläutert Baumert die Chronologie.

Dass die Neusser Verwaltung mit diesen Verdachtsfällen "etwas besonders Exotisches getroffen hat, kann man nicht sagen", sagt Riegel . Korruption sei gang und gäbe. Das Muster der Neusser Bauleiter, die Scheinrechnungen an Firmen ausstellten und dafür mitkassierten, zählt er zu den "üblichen Spielarten". Er schlägt zur Eindämmung neben Anti-Korruptionsbeauftragten Ombudsleute als externe Ansprechpartner vor. Nur sie könnten Tippgebern Anonymität zusichern.

Vor dem Hintergrund der Verdachtsfälle versteht Michael Klinkicht (Grüne) nicht, wie überhaupt daran gedacht werden konnte, das Vergabewesen der Stadt auszulagern. Die Transparenz, die er sich wünscht, wäre so nicht garantiert.

(NGZ/ac/url)
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