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Neuss: Mit Diabetes ein ganz normales Leben führen

Neuss : Mit Diabetes ein ganz normales Leben führen

Lena Schweren ist 14 Jahre, ein aufgeweckter Teenager, der gern lacht und viel Tennis spielt. Seit sieben Jahren hat sie Diabetes Typ 1.

Und plötzlich ist alles anders, ist das Leben von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf gestellt. Michaela Schweren erinnert sich noch gut an diesen Moment, in dem sie glaubte, über ihr breche alles zusammen. Sieben Jahre ist es her, dass bei Tochter Lena Diabetes Typ 1 festgestellt wurde. Woher? Darüber gibt es nur Vermutungen. Vielleicht wegen der Virusinfektion Röteln, die sie kurz zuvor hatte. Medizinisch nachweisen lässt sich das nicht. Klar ist nur, dass Lenas Körper kein Insulin mehr produziert und sie das daher selbst zuführen muss – jeden Tag, ein Leben lang.

Für Lena gehört das "Spritzen", der Umgang mit dem Pen, zum Alltag. Bald wird der ersetzt durch eine Pumpe, den Omnipod. Dann geht's ihrer Meinung nach noch einfacher. Die 14-Jährige hadert nicht mit ihrem Schicksal. Sie macht alles, was Teenager eben so machen, trifft sich mit ihren Freundinnen, übernachtet dort, isst Hamburger mit Pommes, Lasagne – alles, was sie möchte.

Nur eins ist ihr ewiger Begleiter – das Insulin. Das hat sie mit gerade einmal sechs Jahren nur einmal in Frage gestellt, als sie den Arzt im Krankenhaus fragte: "Und was ist, wenn ich nicht spritze." Die knappe deutliche Antwort: "Dann wirst du nicht mehr lange leben." "Lena hatte das Ganze recht schnell im Griff", erinnert sich Mutter Michaela, die zunächst unbezahlten Urlaub nahm, um sich voll und ganz auf die neue Situation einzustellen. Längst ist die 48-Jährige zur Fachfrau geworden, ebenso wie Ehemann Markus, der stellvertretender Vorsitzender der "Elterninitiative diabetischer Kinder und Jugendliche" ist, und Bruder Niklas (17), der zehn Jahre alt war, als die kleine Schwester plötzlich erkrankte und sich alles um sie drehte. Die Geschwister verstehen sich prima, auch Niklas kann viel über Diabetes erzählen und meint: "Benachteiligt habe ich mich nie gefühlt."

Loslassen können ist das, was den Eltern noch ein wenig schwer fällt. "Lena war jetzt mit einer Freundin eine Woche bei deren Oma in Leipzig", sagt Michaela Schweren. Da habe sie oft gedacht, hoffentlich vergisst sie nicht zu messen. Doch eigentlich weiß die 48-Jährige, dass ihre Tochter sehr diszipliniert ist. "Sie musste einfach schneller erwachsen werden", sagt sie.

Lena besucht die Janusz-Korczak-Schule in Neuss. Sie ist Klassensprecherin, mag Englisch, Chemie, Sport und vor allem Tennis. Damit hat sie zwei Monate nach der Diabetes-Diagnose angefangen. In diesem Jahr war sie mit ihrer Mannschaft vom TC Gnadental sogar Bezirksmeister. Und "später" möchte sie nebenbei auch Tennisunterricht geben. Lehrer und Mitschüler sind ebenfalls damit vertraut, wenn sie Teststreifen aus der Tasche holt, oder im Unterricht mal in einen Müsliriegel beißt oder Saft trinkt.

"Was anfangs wie eine Katastrophe aussah, gehört heute zum Alltag", sagt Michaela Schweren. Die Diabetes sei ein ungebetener Gast, den sie nun nicht mehr los werden, und daher akzeptieren, ohne ihn in den Mittelpunkt zu stellen.

(NGZ)