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Neuss: Mit dem Tretroller für Wettkämpfe trainieren

Neuss : Mit dem Tretroller für Wettkämpfe trainieren

Stephan Spinnrath betreibt einen außergewöhnlichen Sport: Er fährt Tretroller. Mountainbikes und Rennräder sind dem Gnadentaler zu langweilig - der Roller ist für ihn die größere Herausforderung.

Wie Fred Feuerstein treibt Stephan Spinnrath sein Fahrzeug an, nämlich einzig und allein mit seinen beiden Füßen. Allerdings muss er nur zwei Räder bewegen, und er nimmt auch keine Beifahrer mit. Der 50-Jährige fährt Tretroller, ein Fahrzeug, das man eigentlich als Spielzeug für Kinder kennt. Doch für den Gnadentaler ist es ein Sportgerät - mit dem er auch an Wettbewerben teilnimmt. Spinnrath gehört zu einer kleinen Szene an sportbegeisterten Fahrern. Er fährt ein Modell mit einem 28-Zoll-Rennrad vorne und einem 20-Zoll-Rad hinten. Andere verfügen über zwei gleich große Reifen, im Cross-Sport sind sie etwas kleiner, dafür breiter.

Den Tretroller für sich entdeckt hat der Gnadentaler vor fünf Jahren: "Nachdem ich lange Zeit überhaupt keinen Sport getrieben habe, fing ich mit dem Rennrad- und Mountainbike-Fahren an", erzählt er. Schnell wurde er fit darin und um sich überhaupt noch zu verausgaben, hätte er mehrere Stunden im Sattel sitzen müssen. Dafür fehlte dem Dozenten an der Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsakademie allerdings die Zeit. Vom Tretroller-Sport hatte er schon einmal gehört und so recherchierte er im Internet. "Mein Glück war, dass es in Düsseldorf einen der wenigen deutschen Händler gibt. Dort konnte ich mir den Roller ausleihen und ihn erst einmal ausprobieren", sagt er. Vom Verkäufer erhielt er direkt den wichtigsten Tipp: "Wenn man nicht alle fünf bis zehn Kicks das Bein wechselt, ist man nach einer Minute kaputt", erklärt der erfahrene Fahrer. Denn Schwung holen lässt sich nur, wenn man mit dem Standbein in die Knie geht. Den Wechsel zu lernen, geht schnell. "Nach zwanzig Minuten kann man das", sagt Spinnrath. Er bezeichnet sich selbst als ambitionierten Freizeitsportler, "die Großen des Sports aus den Niederlanden und Tschechien hängen mich allerdings schnell ab", erzählt er schmunzelnd. Erfunden hat den Tretroller in dieser Form allerdings ein Finne. Der Leistungssportler auf dem Tretschlitten baute sich damit ein Gerät für das Sommertraining.

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Zur 100. Auflage der "Tour de France" im letzten Jahr fuhr eine Gruppe Tretrollerfahrer alle Etappen stets einen Tag vor den Profis ab. Auf den schwierigsten Strecken waren sie bis zu 16 Stunden unterwegs. Stephan Spinnrath steilste Herausforderung war bisher die Hochalm in Obertauern. Sein Training findet sonst in der Ebene statt, entweder auf den asphaltierten Feldwegen in der Umgebung von Gnadental oder er absolviert die Rheinbrückentour zwischen Neuss und Düsseldorf.

Inzwischen ist die ganze Familie vom Tretrollerfahren begeistert. Während der Vater an der Cross-Europameisterschaft im Oktober in Schwalmtal teilnimmt, haben ihm seine zwei Kinder bereits einen Titel voraus. Beide sind in ihren Altersklassen schon Deutsche Meister. Ehefrau Anita beschränkt es auf Fahrten mit einem "Stadtroller", er kostet rund 400 Euro. Sportgeräte sind zwischen 500 und 600 Euro erhältlich, allerdings gibt es dabei kaum eine obere Grenze. Mit ultraleichter Carbongabel und Spezialbremsen steigen die Anschaffungskosten durchaus auf mehrere tausend Euro. Zur weiteren Ausstattung gehören Schutzhelm und Joggingschuhe - und Spaß: "Der fährt immer mit", sagt Spinnrath.

(NGZ)