Neuss: Mit dem Frachter über den Strom

Neuss : Mit dem Frachter über den Strom

Eigentlich ist Paul-Heinz Kramp Lehrer für Geschichte und und Latein, doch sein Herz schlägt auch für die Seefahrt. Für alles Maritime kann sich der 60-Jährige begeistern - "deswegen wohne ich auch in Uedesheim, ganz nah am Rhein", sagt er schmunzelnd. In diesem Jahr ist er "seinem" Rhein noch ein Stück näher gekommen: Der Neusser ist als Urlauber auf einem Frachtschiff mitgefahren.

"Meine Frau und meine Tochter hatten mir die Tour zum Geburtstag geschenkt", sagt Kramp, der ins Schwärmen gerät, wenn er von dieser Reise berichtet. "Am schönsten war es natürlich, als wir an Neuss vorbeigefahren sind", erzählt er. Auf der Düsseldorfer Seite winkte ihm zuerst Tochter Angela zu, am Uedesheimer Fähranleger versammelten sich wenig später Ehefrau Ursula, Nachbarn und Freunde, um dem Schiffsreisenden über den Rhein hinweg lautstark eine gute Fahrt zu wünschen.

Über seine Tour vom niederländischen Millingen bis nach Iffezheim in Baden-Württemberg, das an der Grenze zu Frankreich liegt, hat Paul-Heinz Kramp einen großen Bericht geschrieben, der Ende des Jahres im neuen "Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2015" veröffentlicht werden soll. Den Lesern bringt er in dem Aufsatz, den er in Tagebuch-Form verfasst hat, die Begeisterung für die Schifffahrt näher. Die ist allein darin abzulesen, das Kramp jeden Tag seiner Tour frühmorgens aufstand, teilweise schon um vier Uhr. "Ich wollte einfach bei allem dabei sein", sagt Kramp, der mit dem Kapitän schnell "per du" war und das Team des Frachters mit seiner Geschichtsbegeisterung unterhalten konnte.

Denn auch wenn Paul-Heinz Kramp nie zur See gefahren ist - mit der maritimen Geschichte des Rheins kennt sich der Lehrer gut aus. "Ich habe aber auch viel Neues gelernt", sagt der Uedesheimer. Etwa das über die Wasserstände die Menge der neuen Ladung berechnet wird: Ein Zentimeter mehr möglicher Tiefgang bedeutet über zehn Tonnen mehr Zuladung und damit bei einer längeren Strecke rund 150 Euro mehr in der Kasse des Schiffsführers.

"Ich bin auch schon bei Kreuzfahrten mitgefahren, aber auf dem Frachter dabei zu sein, war eine völlig andere Erfahrung", sagt Kramp. Nicht nur, weil es auf dem Rhein entschieden weniger gediegen zugeht, sondern auch, weil der Schifffahrts-Fan ganz nah dran sein konnte an der Arbeit des Kapitäns und der Crew. "Im Steuerhaus mit dabei zu sein, das war einfach ein tolles Erlebnis", sagt Kramp.

(NGZ)
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