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Neuss: Mit dem "Filmobil" ans Set

Neuss : Mit dem "Filmobil" ans Set

Bei Filmproduktionen brauchen die Schauspieler eine passende Unterbringung, und auch Maskenbildner oder Garderobieren bekommen eigene "Filmobile". Die vermietet der Neusser Unternehmer Winfried Hennig.

Winfried Hennig ist ein echter Film-Experte. Der ehemalige Aufnahmeleiter kennt die Branche und die Bedürfnisse der Crew und der Schauspieler. Um darauf einzugehen, bietet er "Filmobile" an. Seit zehn Jahren vermietet der Neusser nun bereits Fahrzeuge, die an Filmsets sowie für Fotoaufnahmen oder Werbedrehs gebraucht werden — für Maskenbildner, Garderobieren und Darsteller.

Am Neusser Hafenbecken 3 hat der 44-Jährige eine große Halle mit zwei kleinen Büros gemietet. Und dort befindet sich auch sein Fuhrpark mit 17 Filmobilen. "Begonnen habe ich 2002 mit drei Fahrzeugen", erzählt Winfried Hennig. Im Laufe der Jahre hat der gelernte Feinmechaniker seinen Service perfektioniert, die Fahrzeuge den Bedürfnissen am Drehort angepasst. Dazu gehören etwa Spiegel, Garderobenstangen, die herausnehmbar sind, sowie Waschmaschine und Trockner. Die Kunst des Unternehmens besteht darin, auf Anfragen prompt zu reagieren und ein individuell bestücktes Fahrzeug zu liefern.

"Egal ob Sommer oder Winter, die Maskenbildner brauchen einen direkt funktionierenden Arbeitsplatz", erklärt der Experte. Um diesen Service zu gewährleisten, braucht es Leute, die flexibel sind und die Allüren der Schauspieler nicht nur kennen, sondern auch darauf reagieren. "Wenn es einer Veronica Ferres bei 23 Grad im Wohnmobil noch immer zu kalt ist, muss eben ein Heizöfchen her", sagt Jürgen Kalla. Der 40-Jährige ist momentan Hennigs einziger fester Mitarbeiter. "Wir müssen Tag und Nacht einsatzbereit sein", sagt er.

Etwa zwei Drittel der Fahrzeug-Anfragen kommen aus Köln, einem der "Hot Spots" der deutschen Serien- und Film-Branche. Dort stehen fünf von Hennigs Fahrzeugen regelmäßig bei den SOKO Köln-Drehs. "Wir verleihen unsere Autos aber auch nach München, Lettland oder Wien", sagt Hennig. 2005 etwa waren sieben Mobile am Filmset von "Klimt", eines von Raúl Ruiz inszenierten Filmporträts des Jugendstilmalers Gustav Klimt, mit besagter Veronica Ferres in einer Hauptrolle. Mobile Garderoben und Aufenthaltsorte für Schauspieler gibt es bereits seit vielen Jahren.

"Früher, in den 70er Jahren, wurden Räume mit Tisch und Spiegel vor Ort angemietet. Heute benötigen die Filmcrews einen Friseursalon, der mit zum nächsten Drehort fährt", erklärt Hennig. Fünf Anbieter seiner Art gibt es allein in NRW. "Wir sprechen die Sprache unserer Kunden. Deshalb sind wir erfolgreich", bilanziert Hennig. Der Erfolg hat seinen Preis. "Gedreht wird Tag und Nacht. Wenn ein Team früh morgens spontan ein Wohnmobil braucht, bin ich zur Stelle. Das Handy ist daher immer an."

(NGZ/ac)