Neuss: Mit 16 Mutter geworden

Neuss : Mit 16 Mutter geworden

Uta Bünzel war 16 Jahre alt, als sie schwanger wurde. Am Sonntag feiert die heute 18-Jährige den Muttertag. Für uns hat sie zurückgeblickt auf zwei bewegte Jahre, die ihrem Leben eine ganz neue Richtung gegeben haben.

Uta Bünzel ist eine Mutter wie jede andere: Sie bringt ihre kleine Leni zum Kindergarten, geht mit ihr zum Kinderturnen. Sie ist liebevoll, kann aber auch streng sein. Gemeinsam mit ihrer Tochter lebt sie in der Innenstadt, am Wochenende gehen beide gern schwimmen oder zum Kinderbauernhof, in der Woche zum benachbarten Spielplatz. Ein Jahr ist Leni nun alt — als sie auf die Welt kam, war ihre Mutter selbst noch ein Kind: Mit 16 Jahren wurde Uta Bünzel schwanger, kurz vor ihrem 17. Geburtstag brachte sie ihre Tochter auf die Welt.

Unterstützung durch die Eltern

Seitdem versucht die heute 18-Jährige, eine gute, eine erwachsene Mutter zu sein. Dieser Wille, da zu sein für ihr Kind, hat sie verändert. Spontan feiern gehen oder kurz in die Stadt, um Freunde zu treffen, das geht nicht mehr. Auch ihr Umfeld hat sich verändert: "Als ich schwanger wurde, ging ich zur Gesamtschule an der Erft", erzählt Uta Bünzel. Eigentlich war ihr Ziel das Abitur, doch durch die Schwangerschaft war nach der zehnten Klasse Schluss.

Schwer gefallen sei ihr das, erzählt Uta Bünzel, die zu dieser Zeit erst noch verarbeiten musste, dass sie bald ein Kind bekommen würde. Ihre Eltern hatten sich nach dem ersten Schock hinter ihre Tochter gestellt. "Egal wie du dich entscheidest, wir unterstützen dich", erinnert sich die junge Frau an die Worte ihrer Mutter. Die Schülerin entschied sich für das Kind, auch als sich abzeichnete, dass sie mit dem Vater ihres Babys nicht zusammenbleiben würde. "Leni ist kein Wunschkind", sagt Uta Bünzel. "Aber ich bereue keine Minute, das ich sie bekommen habe, sie ist mein großes Glück."

Zumal sie ihr Ziel, das Abitur zu machen, nicht aufgegeben hat: Seit September macht die 18-Jährige eine schulische Ausbildung zur Kosmetikern — der Abschluss beinhaltet das Fachabitur. "Damit könnte ich in zwei Jahren auch studieren", sagt Uta Bünzel, der aber auch die Berufsausbildung wichtig ist. "Ich will meiner Tochter etwas bieten können", sagt die junge Mutter, die im Alltag oft mit Vorurteilen kämpfen muss. "Bestenfalls halten mich die Leute auf der Straße für Lenis große Schwester", erzählt Uta Bünzel. Auch beschimpft worden ist sie schon, doch sie versucht, darüber hinweg zu gehen.

Dem Klischee einer verantwortungslosen "Teenie-Mutter" will die 18-Jährige auf keinen Fall entsprechen. Dieses Bemühen ist wohl der Grund dafür, dass sie reifer wirkt als andere in ihrem Alter. "Wenn ich heute frühere Schulfreunde treffe, bin ich jedes Mal erstaunt, wie sehr sich mein Leben von ihnen entfernt hat", sagt Uta Bünzel. Ein Stück Unbeschwertheit hat sie abgegeben durch ihr Muttersein — an ihre Tochter Leni, die lebensfroh die Welt entdeckt. Und die wohl erst in einigen Jahren wissen wird, was für eine besondere Mutter sie hat.

(NGZ/rl/jco)
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