Minister Karl Josef Laumann diskutiert in Neuss

Augustinus-Forum widmet sich dem Altern : Was das Altern erträglicher macht

Landesminister Karl-Josef Laumann betonte beim Augustinus-Forum die Bedeutung funktionierender Nachbarschaften im Alter und forderte Tariflohn für alle in der Pflege Beschäftigten. Das Credo „Ambulant vor stationär“ teilt er bedingt.

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, war Gast beim Augustinus Forum am Mittwochabend, bei dem es um das Thema „Altern“ ging, Klartext: „Es ist klug, so zu leben, dass es im Alter ein paar Leute gibt, die einen gut leiden können.“ Für die Pflege alter Menschen müsse man „Ehrenamt und Professionalität zusammenbringen“. Laumann machte auch Vorschläge, wie der Pflegeberuf attraktiver gemacht werden könnte. Neben Laumann wurden noch zwei weitere Talkgäste von dem Radio- und Fernsehmoderator Uwe Schulz interviewt, nämlich Professor   Jens Encke, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Medizin des Johanna-Etienne-Krankenhauses,  und Professor  Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg.

„Altern ist nichts für Feiglinge“, lautet der Titel einen Buches von Joachim Fuchsberger. Uwe Schulz wollte von Professor Kruse wissen, ob das wirklich so ist. „Wir müssen uns im Alter mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen, was hohe Anforderungen an die Psyche stellt. Aber die Psyche ist sehr widerstandsfähig“, erklärte Kruse. Was das Altern erträglicher mache, sei die Bereitschaft, „Sorgen zu empfangen und zu geben“.

Für andere da sein, solange es noch geht: Das ist auch das Credo von Sozialminister Laumann, der auch auf funktionierende Nachbarschaften setzt, um den von Jahr zu Jahr zunehmenden Pflegebedarf zu bewältigen. Und der 60-Jährige weiß, dass die anhaltende Diskussion um die Pflege Ängste bei den alten Menschen nährt. Die Realität in deutschen Heimen sei entgegen der öffentlichen Darstellungen so schlecht nicht. Auch die Parole „Ambulant statt stationär“ sei mit Vorsicht zu genießen: „Da schwingt mit, dass man sich vor stationären Pflegeeinrichtungen hüten soll.“

Professor Encke empfahl, sich bereits als gesundem Menschen Fragen zu stellen wie diese: Was passiert nach einem Schlaganfall mit mir? Er gab zu, dass im Rahmen der Pauschalisierung der Vergütung in Krankenhäusern an der Pflege gespart wurde – jetzt werde die Misere deutlich. Dass Bekannte und Nachbarn bei der Pflege mithelfen, das kann sich der Arzt längst nicht in jedem Fall vorstellen: „Es gibt die 90-Jährigen, die mit sich und ihrem Rollator ganz allein auf der Welt sind, diese Erfahrung müssen wir immer wieder machen.“

Die Vereinzelung schreite immer weiter fort. Professor Kruse machte deutlich, dass sich das ändern müsse: „Wir alle werden an den Folgen des demografischen Wandels mitarbeiten müssen. Der Nachbar darf uns nicht länger gleichgültig sein.“ Nun wird auch die beste Nachbarschaft keine ausgebildeten Pflegekräfte ersetzen können.

Laumann (60) differenzierte, als er auf die Bezahlung  einging: „Wo Tariflöhne gezahlt werden, wird Pflege schon jetzt anständig bezahlt. Wir brauchen Tariflöhne für alle in der Pflege Beschäftigten.“ Die Pflege müsse zudem als eigene Profession in Erscheinung treten: „Wenn derzeit über Pflegerichtlinien verhandelt wird, ist die Pflege nicht mit am Tisch – das muss sich ändern.“ Was er zudem beklagt: „Seit Jahren reden wir  über den Pflegekräftemangel, aber die Krankenhäuser stellen keine Lehrlinge ein.“

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