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Memory-Zentrum Neuss zeigt eine Musterwohnung für Demenzpatienten

Memory-Zentrum in Neuss : Eine Musterwohnung für Demenzpatienten

Das Memory-Zentrum der Augustinus-Gruppe ist im Rheinland das Kompetenzzentrum für Fragen zu demenziellen Erkrankungen schlechthin. Aus diesem Grund präsentiert die AOK dort eine spezielle Ausstellung für diesen Personenkreis.

Sie sieht etwas aus der Zeit gefallen aus – die „Musterwohnung Demenz“ mit ihren altmodischen Polstersofas und Schränken, den geblümten Lampenschirmen und Stickbildern an den Wänden. Doch mit Möbeln aus den 50er und 60er Jahren ist sie der durchschnittlichen Wohnungseinrichtung älterer Menschen nachempfunden. Wie eine solche Wohnung kostengünstig und sicher für Demenzerkrankte verändert werden kann, damit die Betroffenen möglichst lange geborgen und bequem Zuhause wohnen bleiben können, zeigt die von der AOK Rheinland/Hamburg erarbeitete Wanderausstellung. Bis zum 9. Oktober ist sie im Neusser Memory-Zentrum aufgebaut.

Interessierte können sich für Schulungen anmelden. Der Einladung von Peter Kaufmann, Leiter des Memory-Zentrums, waren unter anderen Bürgermeister Reiner Breuer, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Marion Schröder, Regionaldirektorin bei der AOK, und Dr. Martin Köhne, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des St. Alexius/Josef Krankenhauses, gefolgt. „Bei der Diagnose Demenz ist die Not der Angehörigen groß“, sagte Kaufmann. Deshalb rät er ihnen, möglichst frühzeitig Hilfe und Beratung in Anspruch zu nehmen.

Dazu zählen beispielsweise auch die Schulungen der AOK Rheinland/Hamburg in der Muster-Wohnung. „Demenzerkrankte verändern sich“, erklärte Nadine Meier, Fachberaterin der Servicestelle Demenz in Jülich, den Gästen der Ausstellungseröffnung im Memory-Zentrum. „Manche Betroffene haben ausgeprägte Lauftendenzen, andere werden aggressiv, manche bewegen sich kaum, andere sind ständig unruhig“, erklärte Meier weiter.

Orientierung, Sicherheit und Wohlbefinden seien daher die wichtigsten Aspekte der Wohnungsgestaltung für Demenzerkankte. Während des Rundgangs durch die mobile Ausstellung, hat Nadine Meier neben praktischen Tipps auch zahlreiche Informationen zu technischen Unterstützungssystemen dafür parat. So erleichtern beispielweise Seniorentelefone mit großen Ziffern und Fotos auf den Kurzwahltasten die Kontaktaufnahme zu Angehörigen. Kontrastreiches, farbiges Porzellan auf dem Esstisch, automatisches Licht beim nächtlichen Toilettengang oder Piktogramme auf den Küchenschränken sorgen für Orientierung, das Entfernen von Teppichen, Unebenheiten oder Stufen für Sicherheit. Zudem sei wichtig, so Meier: „Alles zu beseitigen, was für Unruhe sorgt.“

Auslöser dafür können vermeintliche Kleinigkeiten sein: starke Tapeten- oder Teppichmuster, Spiegelschränke, die demenziell veränderte Menschen in Panik versetzen könnten, weil sie sich mehrfach sehen, oder zu viele Töpfchen und Tiegel im Bad, die überfordern. Auch Licht spiele eine entscheidende Rolle: „Möglichst direkte Beleuchtung ohne Schatten“, lautet Meirs Rat.

Wie beschwerlich normale Alltagshandlungen werden können, davon überzeugte sich Bürgermeister Breuer bei spielerischen Übungen. Er sollte farbige Papierdummies, die symbolisch für Kartoffeln, Gemüse und Fleisch standen, mit Besteck auf gekennzeichnete Teller legen. Dabei durfte er jedoch nur in den Spiegel gegenüber schauen. Wer einmal versucht hat, spiegelverkehrt normale Handlungen zu vollbringen, weiß, wie frustrierend das sein kann. Derartige Demenzsimulationen, aber auch Rollenspiele zum Thema „Kommunikation und Umgang“ runden die Schulungen in der „demenzfreundlichen Wohnung“ ab.

Die Ausstellung „Musterwohnung Demenz“ im Memory-Zentrum wird durch Fachpersonal begleitet und ist kostenfrei. Drei Schulungen gibt es pro Tag – um 10, 12 und 14 Uhr. Interessierte können sich anmelden unter 02461 682299 oder per Mail an ac.demenz@rh.aok.de. Bärbel Broer