Neuss: Melancholischer Monroe-Abend im TaS

Neuss : Melancholischer Monroe-Abend im TaS

Das schönste Pin-Up-Girl aller Zeiten, lebendes Kunstobjekt, oder einfach nur Sexsymbol, die Liste der schier unzähligen Um- und Beschreibungen der 1962 verstorbenen US-Schauspielerin Marilyn Monroe ist lang.

Aber nicht sehr vielen Menschen war und ist die Schattenseite von Norma Jeane Baker — so ihr richtiger Name — bekannt. Grund genug für Janina Burgmer, sich eben dieser anderen Seite der Medaille zu widmen. Die Schauspielerin und Sängerin präsentierte im Theater am Schlachthof "Wonna be loved by... anyone?", ein sensibles Bühnenstück mit viel Musik.

"Die Figur hat mich schon seit längerem gereizt", sagt Burgmer. "Vor Jahren, während meines Engagements in Wien, habe ich in einem Theaterstück über Leben und Tod der Amerikanerin die Rolle der Monroe gespielt. Und seit ich den Film "Some Like It Hot" gesehen habe, bezeichne ich mich selbst gar als Fan". Für das knapp einstündige Programm hat Burgmer insgesamt neun Lieder zusammengestellt, am Klavier begleitet von Anna Seibert. Natürlich geht es darin meistens um die Liebe. Die hat die Monroe zeitlebens nicht gefunden, doch diese Tatsache, hinter der Maske ihres immer strahlenden Lächelns, so gut wie perfekt verborgen.

So wurde es denn auch ein melancholischer Abend mit sensiblen, fröhlichen manchmal aber auch drastischen Momenten. Rund um eine bezaubernde, aber am Ende ihres Lebens nur tragische Persönlichkeit. Doch die Mischung aus Ich-Erzählung und stimmlich sehr gut vorgetragenen Songs der "MM" war verantwortlich für Kurzweil. Ein paar wenige Requisiten reichten aus, um Szenen und Lebensstationen darzustellen: eine Kiste Verehrerpost, ein altes Bakelittelefon, stellvertretend als Verbindung in die Filmstudios, oder ein Baseballschläger als Symbol für die desaströse Ehe mit dem Sportprofi Joe di Maggio. Dazu immer öfter ein Glas mit Tabletten, Ausdruck ständig größer werdender Seelenqual.

Janina Burgmer hat es dabei einfühlsam verstanden, dem Publikum die Ikone Marilyn Monroe menschlich nahe zu bringen. "Ich hatte sie alle, oder hatten sie mich? Ach, egal!" Dramaturgisch ein Höhepunkt: Burgmer im langen weißen Kleid, angestrahlt als Projektionsfläche für eine lange Reihe von Fotos und Schnappschüssen aus dem Leben einer tragischen Ikone. "Und dann bin ich gestorben, meine Zeit war abgelaufen", lässt sie die Monroe zum Ende hin sagen. Ein banaler Satz vielleicht, subtil pointiert, und darum ausdrucksstark wie der ganze Abend.

(NGZ)