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Saskia Krischausky und Benedikt Eggert in Osternacht getauft: "Mein Wille: Bekenntnis zu Christus"

Saskia Krischausky und Benedikt Eggert in Osternacht getauft : "Mein Wille: Bekenntnis zu Christus"

Etwas zittrig nähert sich Saskia Krischausky mit der großen weißen Kerze dem offenen Feuer auf dem Platz vor der evangelischen Kirche an der Einsteinstraße. Sie hat sichtlich Mühe, die Kerze zu entflammen. Der Wind lässt das Feuer hin und her tanzen. Als sie es endlich geschafft hat, eilt Pfarrer Dr. Jörg Hübner herbei, um die schwache Flamme vor dem Wind zu schützen.

Mit dieser Osterkerze zieht der Pfarrer in Begleitung der Konfirmanden in die kleine Kirche ein. Für Saskia Krischausky und ihren Mit-Konfirmanden Benedikt Eggert ist diese Auferstehungsfeier jedoch etwas Besonderes. Die beiden 14-Jährigen werden an diesem Abend getauft. Vor der versammelten Gemeinde legen Sie ihr Bekenntnis ab, Christen werden zu wollen. Ihre Taufkerzen werden an der Osterkerze entzündet und Pfarrer Hübner spricht die uralten Worte: "Ich taufe Dich, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Dann reicht er den beiden Täuflingen ein weißes Tuch, damit sie sich ihre Stirn wieder trocknen können. "Späte Taufen nehmen tendenziell zu", berichtet Dr. Hübner. Doch im kirchlich geprägten und konservativen Neuss seien sie immer noch die Ausnahme. Dass die Gemeinde einem außergewöhnlichen Ereignis beiwohnt, spürt man an der gespannten Ruhe während der an sich bekannten, weihevollen Zeremonie.

Kein Baby-Geschrei erfüllt den kleinen, sehr schlicht gehaltenen, quadratischen Raum. Die Gemeinde, gut 100 Personen, hat sich erwartungsvoll um die mit weißen Decken verhüllten Tische versammelt. Eine Reihe jüngerer Leute ist auch gekommen. Die kleinen Osterkerzen, die alle in der Hand halten, beleuchten den Raum. Im Foyer stehen schon die Speisen bereit, um nach den Gottesdienst noch einen netten Ausklang zu bereiten.

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"Warum lasse ich mich eigentlich taufen?" fragt Benedikt Eggert. Während er bei dem Bekenntnis vor der versammelt Gemeinde eher wortkarg ist, findet er im Gespräch mit der NGZ klare Worte. "Diese Frage habe ich mir sehr lange gestellt. Ich denke, dass es wichtig ist, dass ich so meine Verbundenheit zu Gott, der Gemeinde und Jesus Christus darstellen kann." Außerdem wolle er durch die Taufe seine Hinwendung zum christlichen Glauben zeigen. "Mir war auch wichtig, dass mir niemand sagt, das musst Du tun."

Dadurch könne er sagen, dass es sein eigener Wille ist. "Mir ist es wichtig, dass es meine Entscheidung ist", sagt der junge Mann selbstbewusst. Benedikt Eggert und Saskia Krischausky stehen kurz vor der Konfirmation, dem Bekenntnis der Heranwachsenden zur evangelischen Kirche, vergleichbar mit der Firmung bei den Katholiken. Doch zuvor muss der Konfirmand getauft sein. Daher stellte sich für die beiden die Frage, ob sie sich taufen lassen wollten.

"Ich wurde als kleines Kind nicht getauft, damit ich mir selbst aussuchen konnte, welcher Religion ich angehören möchte," sagt Saskia Krischausky. Schließlich spielte der Glaube im Elternhaus keine so große Rolle. Sie habe sich für die evangelische Konfession entschieden, weil dies keine so strenge Religion wie der Katholizismus, der Islam oder das Judentum sei. In seiner Oster-Predigt ging Pfarrer Hübner auf das Osterereignis ein: "Im Auferstandenen ist die Menschheit neu geworden." Hübner sagte weiter: "Was an Christus geschah, das kann und wird an allen geschehen. Der neue Mensch ist im Auferstandenen geschaffen. Carsten Greiwe

(NGZ)