Neuss: Mehr U 3-Betreuung in Neuss

Neuss : Mehr U 3-Betreuung in Neuss

Um den Rechtsanspruch für die Betreuung von unter Dreijährigen in Kindertagesstätten zu erfüllen, wird die Stadt die Versorgungsquote bis zum Jahr 2013 auf 43 Prozent anheben. Sie geht von weiter steigender Nachfrage aus.

Die Stadt wird in den nächsten Jahren deutlich mehr Betreuungsplätze für unter Dreijährige in den Kindertagesstätten zur Verfügung stellen als ursprünglich geplant. Zum 1. August stehen maximal 727 Plätze in den 72 Neusser Einrichtungen zur Verfügung. In den nächsten beiden Jahren kommen 611 weitere hinzu.

Die Stadt muss dem Rechtsanspruch genügen, der ab dem 1. August 2013 jedem Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Betreuungsplatz zusichert. Gingen die Kommunen bislang davon aus, dass die U3-Betreuung 2013 von 35 Prozent der Eltern in Anspruch genommen wird, ist der Bedarf offenbar ungleich größer als bisher angenommen.

So ist die neue Zielgröße 43 Prozent — "Tendenz steigend", glaubt Jugend- und Sozialdezernent Stefan Hahn. "Der Ausbau der U3-Betreuung ist eines der Kernthemen der Stadt in den nächsten Jahren und ein Gradmesser für den Anspruch einer sozialen Großstadt."

Die Nachfrage steige auch deshalb, weil, so Hahn, "Frauen keinen Karriereknick erleben wollen, nur weil sie keine adäquate Betreuung für ihre Kinder haben." Zudem sei es auch aus volkswirtschaftlichen Gründen notwendig, dass Frauen in die Lage versetzt werden, wichtige Arbeitsplätze, zum Beispiel im medizinisch-pflegerischen Bereich, besetzen zu können.

Dem trägt die Stadt Rechnung, in dem sie in Einrichtungen Plätze umwandelt, aber vor allem durch Um- und Neubau neue schafft. Das kostet Geld. Das Land stellt zwar für dieses Jahr 900 000 zur Verfügung, "aber die Mittel verfallen am Jahresende, wenn sie nicht verbaut werden", sagt Hahn. "Das ist aber nicht zu schaffen." Hahn vermutet dahinter "politisches Kalkül".

Teurer sind indes die Betriebskosten: Pro U3-Platz liegt der von der Stadt zu leistende Anteil bei mindestens 4000 Euro im Jahr. Bei 268 im kommenden Jahr neu zu schaffenden Plätzen sind dies über eine Million Euro. Weil der Ausbau der U3-Plätze für die Kommunen kostenneutral sein soll, hoffen die Neusser in den nächsten Jahren auf Rückzahlungen in Millionen-Euro-Höhe. Ein weiteres Problem könnte sich dadurch ergeben, weil auch längere Betreuungszeiten nachgefragt werden und letztlich dafür Personal benötigt wird. Denn Eltern können (jährlich) wählen, ob sie ihr Kind 25, 35 oder 45 Stunden betreut haben wollen.

Zunächst einmal heißt es für die Stadt: bauen. Für folgende Einrichtungen gibt es konkrete Erweiterungspläne: Martinstraße in Holzheim (22 neue U3-Plätze), Gladbacher Straße auf der Furth (sechs), Daimlerstraße auf der Furth (16), Weißenberger Weg (16), St. Pius, Kirchplatz (16), Harfferstraße in Erfttal (zehn), Müggenburger Straße in Norf (sechs) und Friedensstraße in der Nordstadt (16). Die Stadt prüft für die Schaffung von weiteren U3-Plätzen Grundstücke und Immobilien, darunter auf dem Gelände der Alexianerbrüder und bei der AWO an der Adolfstraße.

(NGZ/rl)