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Neuss: Mehr Sortimente für die "grüne Wiese" frei

Neuss : Mehr Sortimente für die "grüne Wiese" frei

Fraktionen streiten über die "Neusser Liste". SPD schimpft: "Freifahrschein für Möbelhaus-Investor!"

Mehrere Sortiment-Gruppen wie Lampen und Leuchten, Teppiche und Läufer, aber auch Fahrräder und zoologische Artikel verlieren ihren bisherigen Schutz-Status als "zentrenrelevant" und dürfen fortan auch vor den Toren der Stadt Neuss im großflächigen Einzelhandel angeboten werden. Das empfahl gestern Abend jedenfalls der Wirtschaftsausschuss dem Stadtrat mit geschlossener Koalitionsmehrheit von CDU und FDP. Die Opposition von SPD, Grünen und UWG stimmte ebenso geschlossen dagegen.

Zehn Tage vor der Bundestagswahl kam gestern Wahlkampfstimmung im Ratssaal auf. Oppositionsführer Reiner Breuer (SPD) attackierte die bürgerliche Mehrheit; unterstellte ihr vor dem Möbelhaus-Investor Kurt Krieger einzuknicken: "Sie haben nur noch die Euro-Zeichen im Auge." Den geplanten Fachmärkten im Hammfeld werde jede Tür geöffnet – zum Schaden der Innenstadt. Breuer redete sich in Rage: "Sie machen aus der Neusser Liste eine Krieger Liste!" Als "Neusser Liste" wird jene Aufzählung bezeichnet, die Sortimente nennt, die in Neuss als "zentrenrelevant" unter besonderen Schutz gestellt werden.

Die verbale SPD-Offensive konterte für die Koalition FDP-Fraktionschef Heinrich Köppen, der Breuer zurief: "Sie sind unfair. Sie wollen einfach nur verhindern. Das ist destruktiv." UWG-Ratsherr Reinhard-Josef Wendt empfahl den kleinen Einzelhändlern in der Innenstadt: "Sehen Sie sich genau an, wer Ihre Existenz bedroht. Das sind CDU und FDP." Auch der Ober-Grüne Michael Klinkicht setzte sich für den kleinen Laden um die Ecke ein: "Die machen doch den Charme der Neusser Innenstadt aus. Wenn wir vom Erlebniseinkauf sprechen, finden wir den doch im individuell vom Inhaber geführten Geschäft. Warum machen Sie das jetzt alles kaputt?" Die beiden Lager standen sich gestern Abend im Ausschuss unversöhnlich gegenüber.

Eingangs hatte Angelina Sobotta aus der Geschäftsführung des Kölner Büros für Regional- und Stadtplanung Dr. Jansen einen Überblick über die jüngsten Ergebnisse ihrer Untersuchungen zum Neusser Einzelhandel gegeben. Die Gutachter arbeiten derzeit an einem neuen Einzelhandelskonzept. Ihre Erkenntnisse zur Sortimentsliste legte Sobotta bereits jetzt vor. Sie empfahl, Waren wie Lampen, Teppiche, Fahrräder oder zoologischen Artikel künftig nicht mehr als "zentrenrelevant" unter Schutz zu stellen.

(NGZ)