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Neuss: Mehr Männer in der Pflege

Neuss : Mehr Männer in der Pflege

Pflegeberufe sind längst keine reine Frauendomäne mehr. In der Alten- und Krankenpflege steigt die Zahl der männlichen Azubis. Sie haben erkannt: Die Pflege ist in einer alternden Gesellschaft ein Beruf mit Zukunft.

Lars Reimann hat eigentlich eine kaufmännische Ausbildung gemacht, doch mit Ende 20 orientierte er sich neu: Mittlerweile ist der 30-Jährige im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. "Mein Ziel ist ein sicherer Job", sagt der Neusser. Er ist zuversichtlich, nach der Lehre, die er im Ausbildungszentrums für Pflegeberufe an der Carossastraße absolviert "nie wieder arbeitslos" zu sein.

"Vorurteile wurden abgebaut"

In den Kursen des Ausbildungszentrums sind rund ein Viertel der Azubis männlich, wie Ausbildungsleiterin Simone di Piazza berichtet. "In den vergangenen 20 Jahren hat sich vieles verändert, Vorurteile wurden abgebaut", meint sie. Mittlerweile gebe es deutlich mehr Männer, die sich für Pflegeberufe interessieren.

Ein Trend, der sich nicht nur in Neuss zeigt: Wie das Institut der Deutschen Wirtschaft in einer Studie nachweist, waren im Jahr 2010 von 54 000 jungen Menschen, die eine Ausbildung in der Pflege starteten, 19 Prozent männlich — zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Auch Corinna Dönges, Sprecherin der St. Elisabeth-Akademie, dem Ausbildungszentrum der Augustinus-Kliniken, bestätigt diese Entwicklung. Sie macht für die vergangenen drei Jahre eine "leicht steigende Tendenz" der männlichen Azubis aus. Von einer "deutlichen Zunahme" spricht Petra Ricken, Leiterin des Fachseminars für Altenpflege der Caritas. Ihre Schulstatistik weist ab dem Jahr 2004 einen sprunghaften Anstieg männlicher Azubis aus. "Von ein bis zwei Männern auf heute bis zu 25 Prozent männliche Azubis pro Kursus mit 30 Teilnehmern", so Ricken.

In den verschiedenen Neusser Ausbildungszentren sind sich die Leiterinnen einig: Die Pflege braucht mehr Männer. Das sei nicht nur notwendig, weil Männer über mehr Kraft verfügen, etwa um schwere Menschen zu heben, sagt Corinna Dönges. "Ein Thema ist auch die interkulturelle Pflege", so Dönges. Angesichts einer alternden multikulturellen Gesellschaft sei es wichtig, dass es in Pflegeheimen auch männliches Personal als Ansprechpartner gebe. Sowohl in der Alten- als auch in der Krankenpflege gebe es darüber hinaus interessante Karrieremöglichkeiten, etwa über Weiterbildungen oder ein anschließendes Studium.

Das nehmen die Männer verstärkt wahr: So sind etwa in der Weiterbildung Psychiatrie knapp die Hälfte der Kursteilnehmer männlich. Auch Azubi Lars Reimann würde gerne leitende Aufgaben übernehmen. Wichtiger ist dem 30-Jährigen aber der soziale Aspekt seiner Tätigkeit: "Wir bekommen so viel Dankbarkeit zurück", sagt er. "Das gibt es in anderen Berufen nicht."

(NGZ/rl)