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Neuss: Mehr Grün durch Further Schrebergärten

Neuss : Mehr Grün durch Further Schrebergärten

Ein Kleingarten erfordert viel Arbeit. Dafür bekommen die Besitzer weit mehr als Ernteerträge zurück, denn die Gartenlaube ist für viele zum zweiten Zuhause geworden. Besonders viele Kleingartenanlagen gibt es auf der Furth.

Jägerzaun, Gartenzwerge und abgezirkelte Beete — so stellen sich viele den Schrebergarten vor. Typisch deutsch eben und ein wenig spießig. Ein Bild, das so gar nicht zu dem Kleingartenverein Nordkanal passt, der bereits 1928 gegründet wurde. "Bei uns wird jedem Mitglied ein gärtnerischer Freiraum gewährt", sagt Jürgen Lochner, der seit mittlerweile 25 Jahren das Amt des Vorsitzenden innehat. Diesen Anspruch vertreten auch alle anderen Anlagen, die nirgendwo im Stadtgebiet so dicht beieinanderliegen als auf der Furth.

28 Kleingartenanlagen sind dem Stadtverband angeschlossen und bieten derzeit 1569 bewirtschaftete Parzellen. Elf Kleingartenvereine alleine sind in der Neusser Nordstadt beheimatet und geben ihr einen besonders grünen Anstrich. Ihr Angebot für Erholungssuchende hat allerdings Grenzen. "Gute Chancen haben vor allem Familien mit Kindern", sagt Janet Kremkau, Schriftführerin des KGV Nordstadt, wenn mal eine freie Gartenparzelle neu verpachtet wird. Nachwuchssorgen habe man keine, sagt auch der ehemalige Vorsitzende des Kleingarten Vogelsang, Heinz Stirnberg. "Bei uns hat sich die Altersstruktur im Laufe der Jahre gewandelt, denn wir haben gezielt junge Familien angeworben", betont er.

"Bei uns ist jeder gern gesehen, ob Alt oder Jung, berufstätig oder arbeitslos", sagt Kremkau. "Besonders freuen wir uns über die vielen Immigranten, die fest zu unserer Gemeinschaft gehören." Denn die Zusammenführung von Menschen mit gleichem Interesse, über Jahre gewachsene Freundschaften und die individuelle Selbstverwirklichung sind einige der Aufgaben, die ein Kleingartenverein erfüllen soll, merkt sie an.

Das drückt sich auch in der Stimmung auf der Anlage und zwischen den Laubenbesitzern aus. Sehr entspannt geht es bei der KGV Nordstadt zu, man grüßt sich freundlich und jeder findet Hilfe, wenn er die braucht. Zum Beispiel jetzt in der Urlaubszeit, wenn sich Nachbarn wie selbstverständlich um die Parzellen der verreisten Gartenfreunde kümmern.

Neben dieser unbestreitbar sozialen Funktion verbessert ein Schrebergarten die Lebensqualität und biete den Menschen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, sagt Jürgen Lochner überzeugt. Natürlich sei so ein Kleingarten auch ein Rückzugsort, besonders für Stadtmenschen, die kein Grün um sich herum haben, erzählt der Kassierer des Vereins, Axel Walther. "Der Kleingarten bietet den Gärtnern die Möglichkeit, frisches Obst und Gemüse selbst preiswert zu züchten", sagt er. Und dies ist nicht nur gewünscht, sondern eine gesetzliche Vorgabe, die sich aus dem Bundeskleingartengesetz ergibt. Demnach müsse jeder Gartenbesitzer wenigstens ein Drittel der Fläche für den Anbau von Gartenerzeugnissen für den Eigenbedarf nutzen, erklärt Lochner.

In seinem Verein, der KGV Nordstadt, hat sich eine eingeschworene Gemeinschaft gebildet, die im Laufe des Jahres durch diverse Feiern gestärkt wird. Highlights seien vor allem das Grillfest im Sommer und das Erntedankfest im Oktober, berichtet der Vorsitzende.

(NGZ)