1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Marienkirchviertel blüht auf

Neuss : Marienkirchviertel blüht auf

Tristesse war gestern. Buntes Leben kehrt rund um die Krefelder Straße zurück, die das urbane Bindeglied zwischen Bahnhof und City ist. Der Schwung geht vom neuen Wohnquartier am Marienkirchplatz aus.

Schaut sich Apotheker Thomas Reipen (30) die Kundenströme auf der Krefelder Straße an, so fühlt er sich in seiner Standortwahl bestätigt. Insbesondere in den Morgenstunden und am späten Nachmittag passieren die Menschen sein neues Pharmaland, das Apotheken und Drogerie in einem ist. Die Pendler belegen, welches Potenzial die Krefelder Straße als Bindeglied zwischen der Nahverkehrs-Drehscheibe Bahnhof und dem Stadtzentrum besitzt. "Die Frequenz stimmt", sagt Reipen, "wir Händler und Gastronomen müssen die Kunden jetzt durch überzeugende Angebote auch binden."

Nach Jahren der Tristesse kehrt die Zuversicht ins Marienkirchviertel zurück, das sich bunt, urban und vital präsentiert. "Wir müssen den Schwung nutzen", fordert Armin Badort (47) als Quartiersprecher im Verein Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN). Unterstützung kommt von der Politik. CDU-Chef Jörg Geerlings (37) kündigt an, mit "Tempo 30" den Bus- und Straßenbahnverkehr auf der Krefelder Straße entschleunigen zu wollen. Peter Ott (57), planungspolitischer Sprecher der SPD, wünscht sich dort die erste Neusser Immobilien-Standort-Gemeinschaft (ISG), in der die Kräfte aller Akteure, einschließlich der Hauseigentümer, zielorientiert gebündelt werden.

Welcher Impuls brachte die Chance zur Wende? "Da hat der Bauverein etwas Schönes geschaffen" sagt Badort und weist auf den neuen Komplex am Marienkirchplatz mit 113 Wohnungen für rund 250 Neumieter. 26 Millionen Euro hat der Neusser Bauverein nach eigenen Angaben investiert, um das Areal rund um die "Alte Rheinland" in ein intaktes Quartier mit Jungen, Alten und Behinderten zu verwandeln. Neben Pharmaland ist die Techniker Krankenkasse eingezogen, die St. Augustinus-Kliniken betreiben dort den Wohnverbund "Vinzenz von Paul" und ein Café an der Bleichgasse.

Der nächste Schritt zur Revitalisierung ist in Arbeit. Das Traditionslokal "Im Kessel" wurde auf rund 150 Quadratmeter verkleinert und soll demnächst "Qualitätsgastronomie" bieten. Ein Pächter wird noch gesucht. Frank Lubig (43), Chef beim Bauverein, verspricht: "Mit dem Kessel führen wir ein Projekt gut zu Ende, das enorm wichtig für die Stadtentwicklung ist."

"Ende" ist ein gutes Stichwort für die Anwohner der Krefelder Straße, die seit langen Monaten auf die Dauerbaustelle "henger de Bahn" blicken. Sie warten darauf, dass der Zugang zur Furth wieder geöffnet wird. Die Anbindung an den größten Neusser Stadtteil sei gestört. "Die Menschen haben sich auch andere Wege gesucht", sagt Gutenberg-Buchhändler Lutz Lewejohann (65) — und legt den Finger in die Wunde. Zuversicht ja, aber auch noch reichlich Handlungsbedarf.

(NGZ)