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Maria Cecilia Barbetta liest beim Literarischen Sommer in Neuss

Literarischer Sommer in Neuss : Argentinische Geschichten aus dem deutschen Alltag

Seit 1996 lebt die in Buenos Aires geborene Maria Cecilia Barbetta in Berlin. Und schreibt nur auf Deutsch.

Allein wie sich die Liste der Auszeichnungen schon liest: der Aspekte-Literaturpreis 2008, ein Jahr später der Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, noch ein Jahr später der Bayern 2-Wortspiele-Preis, 2010 dann ein Stipendium der Villa Aurora, 2013 eins der Villa Massimo Rom, 2017 der Alfred-Döblin-Preis für das Romanmanuskript „Bloody Mary“ und 2018 dann die Nominierung für den Deutschen Buchpreis. Mit ihrem Roman „Nachtleuchten“ stand sie auf der Shortlist. Und genau dieses Buch hat Maria Cecilia Berbetta im Gepäck, wenn sie beim „Literarischen Sommer“ in Neuss liest.

Seit 1996 lebt die Schriftstellerin in Berlin, reist von da aus gern mit dem Zug zu den Orten, an denen sie liest, war etwa gerade in Trier, ist überhaupt viel unterwegs. Ein Künstlerstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) hat die in Buenos Aires geborene Autorin damals in die Bundeshauptstadt gebracht. Deutsch beherrschte sie da schon perfekt, schließlich hatte die 1972 geborene Argentinierin die Deutsche Schule besucht und Deutsch auch studiert.

Genaugenommen fing es mit Deutsch schon im Kindergarten an: Der lag direkt an der Deutschen Schule, und für Familie Barbetta war klar, dass ein Kind, das im Deutschen Kindergarten war, auch die Deutsche Schule besuchen wird. Zumal da die Mutter dort unterrichtete: „Aber in Spanisch“, sagt Maria Cecilia Barbetta, „im Bereich Wirtschaft.“ Doch viele der Lehrer-Kollegen kamen aus Deutschland: „Damals hießen sie ,Entsandte’“, erzählt die Autorin, „die vielleicht vier Jahre blieben und dann zur nächsten Station kamen oder zurückgingen.“

Schon als Schülerin faszinierte sie die deutsche Grammatik. Und dass sie diese besonders gut beherrschte, hat ihr wohl auch das Formulieren, für das die Autorin hochgelobt wird, so einfach gemacht. Sie habe die „Mechanismen der deutschen Sprache“ gut und früh verstanden, sagt sie und ergänzt: „Ich weiß heute, dass die korrekten Regeln mir zu korrekten Sätzen verholfen haben. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit.“

Das Geburtsland aber lässt sie nicht wirklich los, auch wenn sie es nach eigenem Bekunden höchstens alle zwei Jahre schafft, Familie und Freunde in Argentinien zu besuchen. „Es ist weit und teuer“, sagt sie und lacht, aber andererseits hat sie auch festgestellt, dass das Zusammensein mit den Freunden in Argentinien jedes Mal das Gefühl auslöst, sich erst gestern getrennt zu haben.

Doch erst jetzt, so sagt Barbetta, lerne sie Lateinamerika erst richtig kennen. „Obwohl ich bald mehr Jahre in Deutschland als in Argentinien lebe. Aber als ich noch zu Hause lebte, machten wir immer denselben Urlaub am Meer.“ Gleichwohl sind die Menschen und Geschichten in ihren Büchern das Ergebnis alltäglicher Beobachtungen: „Ich schreibe sie nur Argentinien zu.“

So lässt sie ihre Romane zwar in ihrem Geburtsland spielen, das ist auch bei „Nachtleuchten“ nicht anders, aber „meine Heimat ist die deutsche Sprache“, betont sie. Ein bisschen lebe sie wie in zwei Welten, in ihren Romanen vereint sie sie, indem sie Geschichten aus dem deutschen Alltag nach Lateinamerika versetzt. Mit dem Rad ist sie in Berlin unterwegs, mit dem Zug reist sie zu den Lesungsorten, gern bleibt sie in einer Stadt länger.

„Denn ich bin furchtbar neugierig“, sagt sie. So hat sie auch für Neuss zwei Tage eingeplant, will die Zeit nutzen, um zum Beispiel die Museumsinsel Hombroich kennenzulernen. Und wenn ihr etwas Besonderes auffiele, könne man sicher sein, dass es sich in ihrem nächsten Roman wiederfinde, ergänzt sie und lacht wieder.

„Nachtleuchten“ spielt 1974, am Vorabend des Militärputsches in Argentinien, und erzählt von Menschen, für die es zwar Vorbilder geben mag, aber: „Sie sind fiktiv“, betont die Autorin. So war auch ihr Großvater zwar Automechaniker wie eine Romanfigur, aber höchstens eine Erinnerung an ihn sei eingeflossen. Und so charakterisiert sie ihre Romane am liebsten: „Sie sind wie ein Puzzle aus Erinnerungen an Orte, an denen ich gern war oder gern sein möchte.“