Neusser Künstlerin in Namibia Eine Malerin, die das Reisen liebt

Neuss · Ein Ausstellungsprojekt mit namibischen Künstlern in der Alten Post war der Anfang. Die Neusser Künstlerin Alwina Heinz hielt den Kontakt und bewarb sich auf eine Ausschreibung der National Gallery in Windhoek.

 Das Gemälde, das Alwina Heinz in Namibia schuf, hängt derzeit in der National Art Gallery in Windhoek.

Das Gemälde, das Alwina Heinz in Namibia schuf, hängt derzeit in der National Art Gallery in Windhoek.

Foto: Alwina Heinz

Seit kurzer Zeit ist sie aus Afrika zurück, noch ganz erfüllt von ihren Erlebnissen. Als einzige Europäerin lebte und arbeitete die Neusserin Alwina Heinz wochenlang mit anderen Künstlern in einem Resort in Namibia. Die Bilder, die bei diesem internationalen Projekt entstanden, wurden in einer Ausstellung in der National Art Gallery in Windhoek gezeigt. Die Stadt habe seltsam auf sie gewirkt, sagt sie: „Es gab dort so viel Deutsches.“

   Freundinnen – und Vorbild für ein Kunstwerk, das Alwina Heinz gemalt hat.

Freundinnen – und Vorbild für ein Kunstwerk, das Alwina Heinz gemalt hat.

Foto: Alwina Heinz

Bei dem Workshop teilte sich die Meisterschülerin der Düsseldorfer Kunstakademie ein Haus mit zwei Frauen aus Sambia und Botswana. „Erst sagten wir aus Spaß, wir seien jetzt eine Familie“, berichtet sie, „doch dann hat sich das genau so entwickelt. Wir wuchsen auf wunderbare Weise zusammen. Abends saßen wir drei mit der ganzen Gruppe am Lagerfeuer und erzählten uns Geschichten.“

 Immer in Kontakt: Alwina Heinz beim Arbeiten und Schwatzen mit Kollegen.

Immer in Kontakt: Alwina Heinz beim Arbeiten und Schwatzen mit Kollegen.

Foto: Alwina Heinz

Beeindruckt war Alwina Heinz auch von der sprühenden Kreativität der Afrikaner. „Sie verfügen kaum über Materialien und müssen sich alles selber beibringen.“ Es wäre ihr Wunsch, einen Austausch anzustoßen und einige der Künstler nach Neuss zu holen. „Kunst muss vernetzt werden, dann kann sie etwas bewegen. Wenn man sieht, dass aus Afrika nicht nur Flüchtlinge zu uns kommen, dürfte das so manche Blockade sprengen“, meint sie. Und für sie würde sich damit ein Kreis schließen.

Bei einer Ausstellung in der Alten Post lernte Alwina Heinz im vergangene Jahr einen namibischen Künstler kennen, blieb in Verbindung mit ihm und stieß im März auf die Ausschreibung der National Art Gallery in Windhoek. „Ausgerechnet Namibia, welch ein Zufall! Ich war freudig überrascht, als ich angenommen wurde“, sagt sie.

Alwina Heinz, Jahrgang 1986, reiste schon viele Male nach Afrika. In Ruanda war sie 2013 an einem Theaterprojekt mit 50 Kindern beteiligt und erlebte hautnah mit, wie traumatisiert die Menschen 20 Jahre nach dem blutigen Krieg in ihrem Land noch sind. 2017 fuhr sie auf eigene Faust nach Äthiopien und schloss sich einem Nomadenstamm an. „Da gab es nur die Erde, auf der wir schliefen, die Tiere und unseren Zusammenhalt. Die Nomaden hießen mich gleich willkommen. Sie sind eng mit der Natur und dem Universum verbunden. Es war einer der wenigen Orte, an dem ich mich sofort zu Hause gefühlt habe.“

Vieles setzte ihr auch zu in Afrika. Die Armut, die Korruption, die Spenden, die nur selten die Bedürftigen erreichen. Doch was sie dort fand, wog schwerer: „Die Menschen sind fröhlich und herzlich – als lebten sie auf der Sonnenseite. Und sehr spirituell. Alle, die ich in Namibia traf, waren gläubig. Unsere Gemeinschaft betrachteten wir als Segen Gottes.“

Auch sie ist gläubig. Nach ihrem Einser-Abitur studierte Alwina Heinz, wonach ihr der Sinn stand: zuerst Mathematik, dann, parallel zur Akademie, Philosophie und Theologie. „Ich hatte eben eine große Neugier auf die Welt“, erklärt sie. Doch dann wandte sie sich endgültig der Kunst zu, „weil sie alles vereint und mich keine Begrenzungen spüren lässt.“

Unter ihren vielen Reisen (nach Indien, Israel und Palästina) gab es ein besonders spannendes Ziel: Kasachstan, die Heimat ihrer Vorfahren. Als Kind von Russlanddeutschen kam Alwina Heinz mit drei Jahren nach Neuss, wo ihre gesamte verzweigte Familie lebt. Aber einmal wollte sie dann doch die Wolga sehen und ihren Wurzeln nachspüren. „Das war auch gut“, sagt sie. „Aber danach habe ich mit diesem Kapitel abgeschlossen.“

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