Zeichen gegen Antisemitismus Mahnwache an der neuen Synagoge in Neuss

Neuss · Bürgermeister Reiner Breuer hat Vertreter aller demokratischen Kräfte in Neuss zur Teilnahme an einer Mahnwache am Alexander-Bederov-Zentrum aufgerufen – als Zeichen gegen Antisemitismus.

 Bert Römgens (vorne links) und Bürgermeister Reiner Breuer (r.) trafen sich mit anderen Politikern zur Mahnwache am Bederov-Zentrum.

Bert Römgens (vorne links) und Bürgermeister Reiner Breuer (r.) trafen sich mit anderen Politikern zur Mahnwache am Bederov-Zentrum.

Foto: Melanie Zanin (MZ)

Mit einer Mahnwache am Alexander-Bederov-Zentrum der jüdischen Gemeinde stellten sich am Freitagabend Vertreter von Politik und Verwaltung demonstrativ an die Seite der jüdischen Gemeinde. Die zeigt sich beunruhigt angesichts von Demonstrationen in Deutschland, die als eine Folge des gewaltsam eskalierenden Nahost-Konfliktes in Israel zu sehen sind, aber eine antisemitische Stoßrichtung haben. „Es müsste einen Aufschrei der Gesamtgesellschaft geben“, sagt Bert Römgens als Koordinator der jüdischen Gemeinde in Neuss, wenn große Gruppen von Demonstranten durch deutsche Städte ziehen und antisemitische Parolen skandieren.

Angesichts solcher Bilder hatte Bürgermeister Reiner Breuer die Vertreter aller demokratischen Kräfte in Neuss zur Teilnahme an der Mahnwache aufgerufen. „Wir wollen demonstrieren, dass wir uns schützend vor unsere jüdischen Mitbürger stellen“, sagte Breuer. Dabei sei man auch in Gedanken bei den Menschen in der israelischen Stadt Herzliya, fügt er hinzu, die der Bedrohung durch den Beschuss mit palästinensischen Raketen ausgesetzt sind. Mit seinem Amtskollegen in dieser Stadt, die bald Partnerstadt von Neuss werden könnte, will er sich umgehend in Verbindung setzen. Im November, so ergänzt Römgens, ist ein erster internationaler Austausch geplant, zu dem junge Erwachsene des Offenen Treff Barbaraviertel in Israel eingeladen sind. Vorher aber soll – voraussichtlich im September – das zur Synagoge erweiterte jüdische Gemeindezentrum eröffnet werden.

Schon am Mittwoch hatte Landesinnenminister Herbert Reul die Polizei angewiesen, die Maßnahmen zum Schutz jüdischer Einrichtungen zu verstärken. Ob und in welcher Form auch die Neusser Synagoge betroffen ist, wollte die Gemeinde nicht kommentieren.

Die jüngsten Ausschreitungen sind der zweite Anlass innerhalb weniger Tage, der die demokratischen Kräfte zur Parteinahme veranlasst. Zuvor war eine Gedenktafel mit Aufklebern rechtsradikalen Inhalts beschmutzt worden. CDU-Chef Jürgen Brautmeier sprach von einem „Angriff gegen das friedliche Zusammenleben“. -nau

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