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Neuss: Männlich, ledig, jung – spielt Orgel

Neuss : Männlich, ledig, jung – spielt Orgel

Er ist erst 19 Jahre alt und noch pausbäckig, doch Orgel spielt er, als gäb's kein morgen: Pétur Sakari, laut der Deutsch-Finnischen Gesellschaft DER Jung-Orgelstar aus Finnland und mehrfach preisgekrönt.

Bei seinem Tournee-Gastspiel in der Pfarrkirche Heilige Drei Könige ließ er die Klais-Walcker-Orgel nicht nur in voller Pracht erklingen – er brachte sie bis an die Schmerzgrenze. Zumindest fürs Publikum, denn der Lautstärke-Pegel war gleich im Eröffnungsstück, der Intrada opus 111a von Jean Sibelius, enorm. Was aber auch an den wenigen Zuhörern gelegen haben könnte. Nur 32 Besucher waren zu dem Konzert der Reihe "Musikalischer Herbst" gekommen, die Kirche blieb damit überwiegend leer.

Zarte, sphärische Klänge machten sich in dem sakralen Raum breit, als Pétur Sakari "Clair de lune" von Louis Vierne spielte, brennende Leidenschaft entfachte der Jung-Organist in der anschließenden Toccata. Doch dann, nach dem dritten Stück des Programms, bewies der 19-Jährige erst richtig, welches Talent in ihm steckt. Mit seinem eigenen Arrangement von Franz Liszts Klavier-Klassiker "Consolation Nr. 4" für Orgel bewies er, dass er nicht nur jugendliche Frische besitzt, sondern auch die nötige Ruhe für ein solch lyrisches Werk. Absoluter Höhepunkt des Konzertes war aber die Improvisation von Pétur Sakari – angelegt als Thema mit Variationen, deren letzter Teil zu einem rasanten Ritt durch die Register ausartete und dabei beeindruckende Klanggebilde schuf.

(NGZ)