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Neuss: Machtvolle Tanz-Bilder

Neuss : Machtvolle Tanz-Bilder

Das Cedar Lake Contemporary Ballet aus New York präsentierte bei den Internationalen Tanzwochen drei sehr unterschiedliche Choreographien sein großes Können. Dafür gab es tosenden Applaus.

Nebelschwaden hängen schwer in der Luft. In diffus bräunlichem Licht sind zwei Männer zu erkennen. Der eine kniet und der Stehende hält ihm eine mit den Fingern angedeutete Pistole an den Kopf.

Im Hintergrund befinden sich tatenlos zusehende Zeugen des Geschehens. Doch so konkret machtvoll wie in dieser Exekutionsszene wird es danach nicht mehr in Hofesh Shechters Choreographie "Violet Kid", die das renommierte Cedar Lake Contemporary Ballet aus New York bei den Internationalen Tanzwochen präsentierte.

Die Tänzer schleichen, trotten, tänzeln mit gebeugtem Oberkörper und gesenktem Kopf über die Bühne. Es sind gequälte Kreaturen, Opfer von Gewalt und Unterdrückung. Immer wieder strecken sie ihre Zeigefinger in die Höhe und hüpfen dazu volkstanzähnlich im Kreis, einem unheimlichen Ritual folgend.

Dann wiederum ballen sich ihre Hände zu Fäusten wie bei Protestlern auf einer Demonstration. Jedoch entladen sich ihre angestauten Energien nur mit Schlägen auf die eigene Brust. Es sind Bilder voller Intensität, die Shechter auf der Bühne entstehen lässt. Angetrieben von seiner selbst komponierten und düster pulsierenden Musik für Cello, Violine und Kontrabass.

Nach der Pause können sich die Gemüter jedoch beim kurzen "Ten Duets on a Theme of Rescue" von Crystal Pite entspannen. Ruhig fließende und technisch aufwendige Duette reihen sich wie auf einer Perlenkette aneinander.

Im Vergleich zu den inhaltsstarken Bildern des ersten Stücks wirkt die rein ästhetische Struktur nun jedoch etwas fade und leer. In der Mitte platziert geht das Stück der inzwischen am Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt arbeitenden Choreografin insgesamt leider etwas unter.

Denn als drittes folgt das ausgesprochen humorvoll ironische "Hubbub". Eine Produktion des jungen schwedischen Choreografen Alexander Ekman, einer der Shooting-Stars der aktuellen Tanzszene. "Hubbub" nimmt den zeitgenössischen Tanz selbst auf die Schippe. Aus dem Off kommentiert eine Stimme fortlaufend das Geschehen auf der Bühne.

Dort geht es allerdings sehr geordnet zu: nur in Unterwäsche gekleidete Tänzer präsentieren ihre athletischen Körper vor hochbeinigen Tischen, platzieren sich auf Kommando immer wieder in neuen Posen, tanzen um die Tische herum, springen auf sie oder rollen von ihnen herunter.

Großartig ist das Duett, bei dem der innere Monolog eines Tänzerpaares durch eingespielte Stimmen offen gelegt wird: "... ah, endlich mein Solo... große beeindruckende Wendung..." Insgesamt zeigt die Company mit diesen drei sehr unterschiedlichen Produktionen eine beeindruckende Leistung. Am Ende gab es tosenden Applaus.

(NGZ)