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Lufthansa: Neuss verliert seinen fliegenden Botschafter

Lufthansa benennt Flugzeug um : Neuss verliert fliegenden Botschafter

In der slowakischen Hauptstadt Bratislava wurde der Airbus A 321-200 mit der internationalen Kennung D-AIDN, der im November 2014 den Namen „Neuss“ erhalten hatte, jetzt auf „Neumünster“ umlackiert.

Was hat Neumünster, was Neuss nicht hat? Nun, zum Beispiel einen Lufthansa-Jet, der als fliegender Botschafter mit dem Namen der Stadt unterwegs ist. Denn bei einem Werftaufenthalt in der slowakischen Hauptstadt Bratislava, so weiß der Fachjournalist Udo Lanz zu berichten, wurde der Airbus A 321-200 mit der internationalen Kennung D-AIDN, der im November 2014 den Namen „Neuss“ erhalten hatte, auf „Neumünster“ umlackiert. Das sei „aus arbeitstechnischen Gründen“ geschehen, erklärt Lufthansa-Sprecher Jörg Waber auf Nachfrage lapidar. Keine Details.

Der „Etikettenwechsel“ wurde allerdings weder der schleswig-holsteinischen Stadt Neumünster mitgeteilt, noch dem rheinischen Neuss. Für Bürgermeister Reiner Breuer aber ist weder das noch die Umlackierung ein Grund, beleidigt zu reagieren. Letztlich, sagt er, sei das eine unternehmerische Entscheidung. Eine solche Benennung sei vielleicht eine Ehre, fügt er hinzu, doch solle man den Werbeeffekt nicht überschätzen. „Es gibt ja nicht nur Freunde der Luftfahrt.“

Dass da im Hangar von Bratislava mit der Sprühpistole Fakten geschaffen wurden, blieb trotzdem nicht verborgen. So genannten Plane-Spottern, die mit langen Kamera-Objektiven auf Flugzeuge „anlegen“, fiel der Wechsel auf, als die Maschine – nach einer Corona-Zwangspause – im April wieder nach Frankfurt überführt wurde. Kurz vor der Heckflosse war noch alles wie gehabt: D-AIDN machte jede Verwechslung ausgeschlossen. Doch hinter der Pilotenkanzel, da stand es: Neumünster.

Nach einigen Jahren der Zurückhaltung, in denen ein Großteil der Flottenzugänge keine Taufnamen erhielt, hatte die Lufthansa die Pflege dieser Tradition mit Einführung ihrer neuen Lackierung 2018 wieder verstärkt, berichtet Udo Lanz. Seitdem seien Taufnamen wieder Bestandteil bei allen Neuauslieferungen, zudem würden „Namenslücken“ in der Flotte nach und nach gefüllt. Auch Neuss, betont Lufthansa-Sprecher Waber, werde wieder berücksichtigt. Wann das der Fall sein wird, könne man aufgrund der aktuellen Situation jedoch nicht sagen.

Im Fall der Stadt Neumünster hatte man vier Jahre auf einen fliegenden Werbeträger warten müssen – seit Außerdienststellung der im Mai 1991 auf „Neumünster“ getauften Boeing 737-500.

Eine Boeing mit Namen Neuss war von 1989 bis 2012 unterwegs, danach dauerte es zwei Jahre, bis der damalige stellvertretende Bürgermeister Thomas Nickel die Patenschaftsurkunde für eine neue „Neuss“ unterzeichnen konnte. Die Patenschaft, hieß es damals beim Festakt, „ist eine dauerhafte Institution“.