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Neuss: Lüpertz' Skizzen für Neusser Kreuzweg

Neuss : Lüpertz' Skizzen für Neusser Kreuzweg

Die Idee ist kühn. Sie hat das Zeug zu einem in Deutschland einzigartigen Projekt: Ein ökumenischer Kreuzweg, der mit sieben Stationen an sieben Plätzen in der Neusser City ein öffentliches Christus-Bekenntnis ablegt. Mit Markus Lüpertz ist ein angesehener Künstler von der Aufgabe faszieniert. Er hat die ersten Skizzen gefertigt. Die NGZ zeigt sie erstmals. Am Montag brät der Kreiskulturausschuss.

Wie schön, dass es noch Menschen gibt, die auch in Zeiten leerer öffentlicher Kassen kühne Ideen nicht nur träumen, sondern auch damit in die Öffentlichkeit gehen, um für sie zu werben und sie umzusetzen.

Hätte der Makler Karl-Heinrich Müller nicht an seine Vision von "Kunst parallel zur Natur" geglaubt, die Welt — und nicht nur Neuss — wäre um die Museumsinsel Hombroich ärmer.

Müllers Beispiel macht Mut. Zum Beispiel Jörg Hübner (49). Der evangelische Pfarrer treibt als Motor die Idee von einem ökumenischen Kreuzweg voran. Nicht irgendein Kreuzweg soll es sein. Hübner denkt an sieben Stationen, die der renommierte Künstler Markus Lüpertz auf sieben Plätzen der Neusser Innenstadt gestalten soll.

Skulpturen, Reliefs und Mosaiken plant Lüpertz, der über Jahrzehnte Rektor an der Düsseldorfer Kunstakademie war und dort auch lehrte. Am Montag wird der Kreiskulturausschuss erstmals unterrichtet; erste Skizzen und Texte zum Werk liegen den Unterlagen bei.

Welch ein Projekt! Pragmatiker würden angesichts der Dimension den Kopf schütteln. Allein die Kosten? Dass es nicht preiswert wird, wissen alle; eine Summe nennt niemand. Ein Antrag auf einen ersten Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro beim Landschaftsverband Rheinland läuft. Doch auf Kirchenmittel dürfen die Initiatoren nicht hoffen. "Wie soll das gehen?" fragt Kreisdechant Msgr. Guido Assmann. "Das Geld ist so knapp, dass wir Einrichtungen schließen müssen."

Gleichwohl stuft Assmann, in Personalunion auch Oberpfarrer an St. Quirin, das Projekt als "spannend" und "interessant" ein. Es gehe nicht um Kunst, sondern um ein "christliches Bekenntnis" in einer "noch christlich geprägten Stadt". Er habe bei einer persönlichen Begegnung den Eindruck gewonnen, dass Markus Lüpertz nicht nur seine "künstlerische Begabung" einbringen wolle, sondern auch eine "christliche Botschaft" mit dieser Arbeit für Neuss verbinde. Aber Assmann sagt auch: "Es ist gut, dass laut gedacht wird. Aber entschieden ist nichts."

Auf katholischer Seite hat Kreisdechant Assmann das Projekt geerbt. Gemeinsam mit Jörg Hübner hatte die Idee Herbert Ullmann, damals Pfarrer an der Dreikönigen-Kirche, geboren. Sie hatten an einen Kreuzweg gedacht, der die katholische Pius- und die nahe evangelische Boenhoeffer-Gemeinde verbinden sollte.

Ullmann leitet inzwischen das Albertinum in Bonn. Aus dem lokalen Projekt wurde eins mit städtischer Dimension. Es blieb der ökumenische Ansatz, der Hübner und Ullmann wichtig war: "Es soll ein christliches Anliegen der bürgerlichen Gesellschaft aller Neusser sein." Das sieht Msgr. Assmann so, das sieht auch Ilka Werner so, die Vorsitzende der evangelischen Kirchengemeinden in Neuss.

Ein mögliches zeitliches Ziel wäre das Jahr 2017 — dann wird 500 Jahre Reformation gefeiert. "Der Termin ist perfekt", sagt Initiator Jörg Hübner, "im Christus-Bekenntnis werden unsere gemeinsamen Wurzeln deutlich."

Noch sieht Hübner sich und seine Mitstreiter im "Vorraum zum Foyer", also in einem sehr frühen Stadium. Derzeit stellt er seine Idee vor. Potenzielle Geldgeber, darunter auch Stiftungen, werden angesprochen. Ende 2012 will Hübner Klarheit haben: "Entweder werden die Unterlagen in den Ordner ,Nette Idee" abgelegt, oder wir sind soweit, dass wir den Künstler Markus Lüpertz beauftragen können."

Standorte: Platz vor dem Zeughaus, der Durchgang am Sebastianuskloster, die Wiese hinter der Christuskirche, die Fassade gegenüber dem Mahnmal am Platz der alten Synagoge, eine Grünfläche an der Dreikönigen-Kirche und der Wendersplatz.

Zu den Befürwortern des Projektes gehört Vize-Bürgermeister Thomas Nickel, der sich auf die "Zeichen des christlichen Glaubens und der Ökumene im öffentlichen Straßenraum" freut.

(NGZ)