Neuss: Lücke bei der Kinderbetreuung

Neuss: Lücke bei der Kinderbetreuung

Zwischen dem Ende des Kindergartenjahres und dem Schulbeginn klafft eine Lücke von einem Monat. NRW-MinisterArmin Laschet sagt, die Kommune muss die Betreuung sicherstellen. Neuss sucht nach Notlösungen.

Nadja Nuckel und Katrin Thulke haben ein Problem, das wahrscheinlich viele Eltern haben – die meisten wissen es nur noch nicht. Nuckels Sohn Titus (5) und Thulkes Tochter Anastasia (5) sollen vom Sommer an die Grundschule besuchen. Noch gehen sie täglich in die Kita Arche Noah auf der Furth. Deren Jahr endet am 30. Juli. Die Schule beginnt aber erst am 30. August.

Dazwischen liegt ein Monat, in dem die berufstätigen Mütter noch nicht wissen, wo sie ihre Kinder unterbringen sollen. "Im vergangenen Jahr", sagt Katrin Thulke, "hat die Kita einen Überbrückungsvertrag für einen Monat angeboten. In diesem Jahr ist das offenbar nicht möglich. Dass da ein Problem auf sie zukommt, ist vielen Eltern gar nicht bewusst." Bei der Stadt dagegen ist man bereits im Bilde.

Stefan Hahn, Dezernent für Soziales und Jugend, sagt: Die Situation spitzt sich zu, weil es immer mehr berufstätige Eltern gibt. 1400 Mädchen und Jungen wechseln in diesem Jahr in Neuss vom Kindergarten in die Grundschule. "Etwa ein Drittel bis ein Viertel", schätzt der Dezernent, "wird eine offene Ganztagsschule besuchen." Bei einem Teil dieser Schüler, glaubt Hahn, wird sich das Betreuungsproblem ergeben, weil der Betreuungsbedarf da ist. "Die Zahl dürfte unter 200 liegen." Titus und Anastasia gehören jedenfalls dazu. "Die Kitas", sagt Hahn, "können nicht länger öffnen, weil die vorhandenen Plätze vom 1. August an komplett mit neuen Kindern belegt sind." Nadja Nuckel und Katrin Thulke vermuten, dass eine finanzielle Erwägung dahinter steckt. "Zum 1. August melden die Kindergärten ihre Belegzahlen", sagt Nuckel. "Und für kleine Kinder gibt es mehr Geld als für Sechsjährige."

Fakt ist: Das Land zahlt den Kommunen eine Betreuungspauschalen für zwölf Monate. "Die", sagt Hahn, "reicht aber nur bis zum 31. Juli. Was die Zeit danach betrifft, sind wir vom Land nicht gegenfinanziert." NRW-Kinder- und Jugendminister Armin Laschet wiederum wies vor kurzem darauf hin, dass der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz bis zum Schuleintritt reicht: "Und der", sagt der Minister, "ist am ersten Schultag, nicht mit Beginn des Schuljahres." Die Städte müssten im Rahmen ihrer Jugendhilfeplanung entsprechende Vorkehrungen treffen. "Die Kommunen zahlen ja auch dem Land nichts zurück, wenn die Schule vor dem 1. August beginnt."

In Neuss suchen Jugend- und Schulverwaltung nun nach einem Konzept. "Derzeit", sagt Hahn, "müssen wir noch mit einzelfallbezogenen Überbrückungs-Lösungen arbeiten." Schön für die Kinder, sagen Nadja Nukel und Katrin Thulke, sei so eine Hin- und Herschieberei allerdings nicht.

(NGZ)