1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: "Loge" am RLT: Bäckerei oder Literaturcafé

Neuss : "Loge" am RLT: Bäckerei oder Literaturcafé

In der nächsten Sitzung des Kulturausschusses werden zwei Konzepte für den Betrieb der ehemaligen Gastronomie im RLT vorgestellt. Im Rennen sind das Theater selbst und die Bäckerei Puppe. Das RLT bräuchte dafür die Hilfe der Stadt.

Mit dem Konzept für ein Literaturcafé, das tagsüber von einem Gastronomiepartner betrieben wird, geht das RLT in die nächste Phase des Entscheidungsprozesses über die Zukunft der ehemaligen "Loge" im Gebäude des Theaters. Allerdings gibt es einen weiteren Interessenten: die Bäckerei Puppe, die dort mit Verkauf und kleinem Verzehrsortiment einziehen möchte. In beiden Fällen geht es nur um das Erdgeschoss, das bisherige Konzept des Vermieters Neusser Bauverein (NBV), zwei Etagen gemeinsam zu vermieten, wird definitiv zu den Akten gelegt.

Im Kulturausschuss am kommenden Dienstag werden beide Konzepte vorgestellt – und auch die Ergebnisse der bisherigen Gespräche, die auf eine mögliche Kooperation beider Bewerber abzielten und grundsätzliche Bedingungen für die Vermietung abklärten. Demnach wird ersteres von beiden Seiten aus logistischen Gründen ausgeschlossen, und im zweiten Punkt hat der NBV deutlich gemacht, dass er dem RLT keine Mietminderung gewähren könne.

Daraus leitet die Kulturverwaltung zwei Vorschläge ab, über die der Kulturausschuss beraten muss. Entweder: Das Erdgeschoss wird an Puppe vermietet "ohne Beteiligung des Theaters /.../ ohne zusätzliche Belastung des städtischen Haushalts". Oder: Das RLT richtet ein Literaturcafé (mit Lesungen, Themenabenden zum Spielplan, Kleinkunst, Musikveranstaltungen, Spiele- und Rätselabenden, Stammtisch des Fördervereins) ein, dessen Kosten für den Umbau der NBV und jene für die Einrichtung das Theater trägt. Für einen täglichen Betrieb hat das RLT nach eigenen Angaben mit dem Tapas-Restaurant Los Morettos einen Partner gefunden, der von zehn bis 16 Uhr öffnen will.

Die Nebenkosten will das RLT übernehmen, aber die Stadt müsste "die Anmietung durch einen gestaffelten Mietzuschuss" unterstützen. Erst im dritten Jahr würde die Bühne die Miete komplett übernehmen. Aus dem städtischen Haushalt müsste dieser Vorschlag mit 21 600 Euro in zwei Jahren finanziert werden. Ausgegangen wird dabei von einem jährlichen Mietzins von 18 153, 36 Euro für das RLT.

Wenn es nur nach der persönlichen Meinung des kulturpolitischen Sprechers der CDU, Joachim Goerdt, geht, fällt der Beschluss des Ausschusses zugunsten des RLT aus. Auch wenn er sagt, dass er das neue Konzept des RLT, das viel mehr als die mal angedachte Bespielung vor und nach Theatervorstellungen vorsieht, nicht unbedingt "prickelnd" findet. Gleichwohl würde er dem Theater den besseren Auftritt mit dem Zuschlag der Räume ermöglichen. Ohnehin ist er mit der Verwaltungsvorlage nicht zufrieden, da zu viele Fragen offenblieben: "Welche Miete zahlt die Bäckerei? Und was passiert mit dem bisherigen Puppe-Standort im Tranktorgebäude? Wird da nur hin- und hergeschoben?" Außerdem vermisst er die von der Politik verlangten Auskünfte über die Umschuldungen des NBV-Gebäudes und die entsprechenden Zinsersparnisse.

Auch Hartmut Rohmer, kulturpolitischer Sprecher der SPD, ist mit der Vorlage nicht zufrieden. Er bemängelt, dass der Bauverein außen vor bleibe, lehnt eine Vermietung an einen privaten Nutzer ab. Seine Fragen zielen wie bei Goerdt auch auf die Puppes Nachfolger an dessen altem Standort ("der NBV kann und darf nach eigener Aussage auf kein Geld verzichten") und auf die mangelnde Beantwortung von Fragen zu Umschuldungen ab. Die SPD werde auf eine "vollständige Aufklärung durch Verwaltung und NBV" drängen, sagt er und schließt einen "entsprechenden Auftrag an den Rechnungsprüfungsamt" nicht aus.

(NGZ)