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Literarische Sommer 2021 in Neuss: Arnon Grünberg liest "Besetzte Gebiete"

Literarischer Sommer in Neuss : Tragisch-komische Geschichte von Arnon Grünberg

Der niederländische Schriftsteller hat beim Literarischen Sommer zwei Passagen aus dem Roman „Besetzte Gebiete“ vorgestellt. Dabei verriet er auch, wie es mit seinen Figuren weitergehen soll.

Besser hätte es das Wetter nicht meinen können mit der Neusser Auftaktveranstaltung des diesjährigen Literarischen Sommers im Kulturgarten an der Neusser Rennbahn: Die Temperaturen angenehm mild, ein leichter Wind, Lindenblütenduft in der Luft und die Vögel untermalen die Lesung mit einem dezenten Abendkonzert.

Der Star des Abends, der niederländische Autor Arnon Grünberg, sitzt vor der Lesung entspannt im Schatten der Bäume und freut sich, dass er „wieder einmal in Neuss sein kann.“ Und: Dass er endlich wieder vor Publikum lesen darf, denn Corona habe ihn lange zu einer Bühnenpause gezwungen und auch „wenn das Wichtigste das Schreiben ist, ist es mit den Lesern, dem Publikum doch immer schön.“

Schon am Vorabend hatte er aus seinem aktuellen Roman „Besetzte Gebiete“ in Mönchengladbach gelesen: Dort war auch der Auftakt des Literatur-Festivals, dessen Projektleitung bei der Stadtbibliothek Neuss liegt. Die diesjährige 22. Ausgabe sei eine „Veranstaltung der Superlative“, sagt Bibliotheksleiterin Claudia Büchel. Die Organisation dieses Mammutprojekts liegt in den Händen der EuregioKultur, ein Verein mit Sitz in Aachen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat „grenzüberschreitenden literarischen und kulturellen Austausch zu organisieren und zu fördern,“ wie Geschäftsführer Oliver Vogt erklärt.

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In Neuss ist Grünberg längst ein „bekanntes Gesicht“, denn er war nicht nur schon mehrmals beim Literarischen Sommer dabei, sondern stand mit seinem Roman „Der Mann, der nie krank war“ 2015 auch im Mittelpunkt von „Neuss liest“. Er selbst bezeichnet sich als Individualist und ist für die Recherche seiner Bücher schon in die verschiedensten Rollen geschlüpft. Zwar hat er in Mönchengladbach schon das Literaturfestival eröffnet, doch hat er für das Publikum in Neuss andere Abschnitte aus seinem Roman vorbereitet. So liest er auf Deutsch zwei Passagen aus der zweiten Hälfte seines Buches und stellt die Arbeit seines  Übersetzers Rainer Kersten vor.

Der Protagonist des Buches, ein Psychiater namens Otto Kadoke, kommt auch schon in Grünbergs Buch „Muttermale“ (erschienen 2018) vor. Es sei das erste Mal, dass eine Figur ihn nicht losgelassen habe. Dennoch sieht er „Besetzte Gebiete“ nicht zwingend als Fortsetzung. „Die Bücher funktionieren auch gut alleine“, sagt er.

Die tragisch-komische Geschichte hat den Antihelden Kadoke nun aus Amsterdam ins Westjordanland geführt. Dort gibt er sich, zunächst nur der Etikette wegen, als Verlobter einer Verwandten aus und willigt später in eine Heirat ein.

Die Auseinandersetzung des überzeugten Atheisten und Anti-Zionisten mit den religiösen Ideologien, die in dem Siedlungsgebiet gelebt werden, ist sowohl skurril, als auch herzerwärmend. Grünberg muss selber lachen, als er in einer Passage vorliest: „Der Messias nicht nur als Ein-Mann-Putzkolonne, sondern auch noch als Zahnarzt, als Wunderdoktor.“

Man habe nur an der Oberfläche des Buches kratzen können, sind sich Grünberg und Vogt nach knapp zwei Stunden einig und die Neusser dürfen gespannt sein, wie es mit Kadoke weitergeht. Denn soviel verrät Grünberg: „Ich bin noch nicht fertig mit der Figur und ich glaube, er auch noch nicht mit mir“.

Nächster Termin in Neuss ist am 22. Juli, 19.30 Uhr. Christoph Peters liest in der Stadtbibliothek aus seinem „Dorfroman“.