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Liederabend mit Julian Prégardien im Zeughaus Neuss mit atmosphärischem Programm

Zeughauskonzert Neuss : Liederabend im Zeughaus mit atmosphärischem Programm

Tenor Julian Prégardien und Pianist Eric Le Sage gestalteten das Zeughauskonzert – mit dem einzigen Liederabend der Saison.

„Ein Liederabend pro Saison muss sein!“, sagt Rainer Wiertz, Neusser Kulturdezernent und Programmmacher der Zeughauskonzerte. Diesem Konzertabend begegnet das Neusser Publikum sehr reserviert, denn auch diesmal blieben mit 350 Zuhörern knapp 100 Plätze leer. Dabei tut der Planer alles, um mit hochkarätigen und berühmten Interpreten den Abend attraktiv zu besetzen.

Diesmal gestalteten den Liederabend Julian Prégardien (35), ein international gefragter Vertreter der jungen Sängergeneration, und Eric Le Sage (55), gefeiert vor allem für seine Interpretation romantischer Klaviermusik. Beide sind als Hochschullehrer aktiv, der in Frankfurt geborene Prégardien als Gesangsprofessor an der Hochschule für Musik und Theater München, der Franzose Le Sage ist seit zehn Jahren Professor für Klavier an der Hochschule für Musik Freiburg.

Für Neuss hatten sie ein atmosphärisch intimes Programm vorbereitet. Eric Le Sage betritt vom Publikum fast unbemerkt das Podium, um dann vital, fast polternd die Grenzen des teuren Konzertflügels im Zeughaus auszuloten.

Dabei hat Robert Schumann das erste seiner vier „Nachtstücke“ mit „mehr langsam, oft zurückhaltend“ überschrieben. Der Pianist macht aus der „Leichenfantasie“, wie Schumann ursprünglich titelte, einen herzhaft zupackenden Trauermarsch. Das passte dann wunderbar beim „Nächtlichen Gelage“ mit Elan und wilden Achtelbewegungen.

Die Melodie des einfachen Rundgesangs im vierten Stück wird im neuen Gesangbuch der katholischen Kirchen „Gotteslob“ gewürdigt (Nr. 628). Intime französische Romantik zelebrierte Eric Le Sage in den beiden „Nocturne“ (Nr. 11 und Nr. 6) von Gabriel Fauré. Dessen Liederzyklus „Le Bonne Chanson“ (Das gute Lied) nach Gedichten von Paul Verlaine hatte auch Julian Prégardien für diesen deutsch-französischen Freundschaftsabend ausgesucht.

In einer traumhaften Interpretation sang der lyrische Tenor auch im feinsten Pianissimo mit voller Stimme, die auch auf dem gut besetzten Balkon uneingeschränkt zu hören war. Noch mehr zu begeistern wusste er in Robert Schumanns „Liederkreis“ mit 12 Gedichten von Joseph von Eichendorff. Den Zyklus hat er extra für Neuss einstudiert. Dabei malte er das Bild der romantischen „Mondnacht“ in allen Farben aus, die „Wehmut“ des Einsamen musste zu Herzen gehen: „Doch keiner fühlt die Schmerzen. Im Lied das tiefe Leid.“

Als Julian Prégardien, von Éric Le Sage immer in gleicher Stimmung vollkommen begleitet, im Glanz der „Frühlingsnacht“ endete, brandete Jubel und langer Beifall im Zeughaus auf.

Eine Zugabe gab es aus Schumanns „Dichterliebe“, die Vertonung von Gedichten Heinrich Heines. Viele Zuhörer empfanden das Konzert als „historischen Liederabend“.

(Nima)