Neuss: Lieblingsprojekt seit 20 Jahren: Der Chor Roundabout

Neuss: Lieblingsprojekt seit 20 Jahren: Der Chor Roundabout

Die Jazzsängerin Anne Hartkamp hat den Chor an der Musikschule gegründet und leitet ihn immer noch.

Als Anne Hartkamp den Jazz- und Popchor Roundabout an der Musikschule gründete, war sie bereits eine arrivierte Jazzmusikerin. 20 Jahre ist das jetzt her, seitdem leitet sie den Chor und sagt auch: "Den geb' ich nicht mehr her!" Nicht nur, weil es "ihr" Chor ist, der damals explizit als Auftrag von der Musikschule von ihr installiert werden sollte. Nein, die Arbeit mit den rund 55 Sängern macht ihr immer noch so großen Spaß, dass sie sich nicht vorstellen mag, eines Tages nicht mehr mit ihm zu arbeiten.

Das Publikum dankt es ihr. Die Karten für die jährlichen Konzerte von Roundabout sind oft schon weg, bevor der Termin überhaupt Kreise ziehen konnte. Das ist auch beim Geburtstagskonzert nicht anders, für das der Chor dieses Mal sogar ins mit rund 450 Plätzen wesentlich größere RLT zieht. "Wir wollten uns mal was gönnen", sagt Anne Hartkamp und schmunzelt. Aber auch da waren die Karten ratzfatz weg, so dass flugs ein zweites Konzert einen Tag später hinterhergeschoben wurde. Das findet dann wieder im Romaneum statt und - was die Chorleiterin besonders freut - auch mit den Gästen, die beim Auftakt dabei sind. Philipp van Endert wird das sein, mit dem Hartkamp das Duo Magnolia formt, aber auch fünf Ensembles, die mittlerweile aus Roundabout entstanden sind, treten dabei auf. "Nur der Moderator kann nicht", sagt Hartkamp, "aber das übernimmt dann jemand aus dem Chor." Überhaupt ist sie froh, dass ihr viel Organisation von den Chormitgliedern abgenommen wird. "Organisation gehört nicht gerade zu meinen größten Begabungen", sagt sie lachend, ist auch deswegen froh, dass sie früh darauf bestanden hat, dass jede Stimme im Chor auch einen Sprecher wählt. Denn Hartkamp weiß, was sie wann abgeben muss. So hat sie schon seit vielen Jahren einen Bühnencoach dabei: Sabine Scheerer, die das Bewegen auf der Bühne - "von Choreographie mag ich nicht sprechen", sagt Hartkamp - mit den Sängern übt. Da ginge es um Körperpräsenz, um Haltung der Sänger, auch gegenüber den Zuschauern, sagt die Jazzsängerin und Komponistin bestimmt.

Das Musikprogramm hingegen wird von ihr zusammengestellt. Wobei der Chor auch immer eine Liste mit Wunschsongs vorlegt, "und ich versuche, das Leichte und das Komplexe zu verbinden", sagt sie und ergänzt mit einem Lachen: "Zum Leidwesen einiger tendiere ich eher zu komplexen Songs."

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Auf rund fünf Stunden, so schätzt die Chorleiterin, käme das Repertoire von Roundabout, wenn der Chor alles Erlernte in einem Rutsch präsentieren würde. "Natürlich sind auch viele Wiederholungen dabei", sagt sie. Einmal die Woche wird geprobt, ein Chorwochenende wird eingeplant, und jedes Jahr kommen bis zu fünf neue Songs dazu. Hartkamp reist dazu aus Hürth an, wo sie mit ihrem Mann, dem Pianisten Bernd Kaftan, "und Flügel und Klavier" lebt.

Ihr Kalender ist schon jetzt gut gefüllt, denn Hartkamp startet ein neues Projekt mit dem N.N.Theater: "20.000 Meilen unter dem Meer - Der Sturm". 25 Vorstellungen, bei denen sie als Musikerin auf der Bühne steht, sind schon jetzt fest vereinbart. "Ich freue mich wahnsinnig darauf, als Live-Musikerin dabei zu sein", sagt sie. Geige wird sie spielen ("Ich habe lange Zeit Unterricht gehabt") und zusammen mit ihrem Mann arbeiten. Kaftan ist schon länger für das Theater tätig, das kein eigenes Haus hat und oft open air spielt.

Dass sie damit ziemlich ausgelastet sein wird, ist der Musikerin klar. "Das passt dieses Jahr ganz gut", sagt sie, "denn ich will auf jeden Fall wieder mehr für mein Quartett und das Duo Magnolia schreiben."

(hbm)