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Neuss: Liebesbriefe aus der Kaiserzeit

Neuss : Liebesbriefe aus der Kaiserzeit

Vor Jahren erbte Karl-Heinz Pannenbecker eine Kiste voller Liebesbriefe seiner Großeltern – und hat ihre Romanze in einem Buch verewigt. Zum Valentinstag nimmt Urenkelin Maria Pannenbecker den Briefwechsel zur Hand.

Wenn Maria Pannenbecker von ihrem Vater Karl-Heinz erzählt, glänzen ihre Augen. "Er war ein Vorbild für mich", sagt die Mutter von achtjährigen Zwillingen. "Schon als kleines Mädchen hatten mein Vater und ich ein ganz besonderes Verhältnis. Natürlich verband uns die Leidenschaft für Pferde. Aber wir hatten auch sonst einen besonderen Draht." So beschreibt Pannenbecker die engen Bande zwischen Vater Karl-Heinz Pannenbecker und seiner Tochter. Alle vier Schwestern – Maria ist die Jüngste – haben den Vater auf dem Kaarster Pannenbeckerhof gepflegt und ihm im Oktober vergangenen Jahres das Sterben zuhause ermöglicht.

Maria Pannenbecker mit dem Buch, in der die Liebesbriefe ihrer Großeltern verewigt sind. Foto: Lothar Berns

Auch Karl-Heinz Pannenbecker spürte eine besondere Nähe zu seinen Vorfahren: In einer Kiste mit wichtigen Dokumenten, die im Kartoffelkeller sogar den Zweiten Weltkrieg überstand, fand er Liebesbriefe seiner Großeltern, Katharina Josten aus Büttgen und Josef Pannenbecker aus Holzbüttgen. "Lieber Josef, liebe Katharina" heißt das Buch, in dem Karl-Heinz Pannenbecker den romantischen Briefwechsel seiner Großeltern verewigt hat, gemeinsam mit der Neusser Journalistin Irmgard Ruhs-Woitschützke, die die Briefe vor etwa vier Jahren transkribierte. Ein Exemplar des aufwändig gestalteten Werks befindet sich übrigens auch in der Stadtbibliothek. "Mein Vater hat mir das Buch damals geschenkt. Jetzt merke ich, dass das mein eigentliches Erbe ist", sagt Maria Pannenbecker. Die 44-Jährige führt den Familienhof, eine Reitanlage mit Pferdepension, jetzt gemeinsam mit ihrem Mann – ihre Mutter verstarb bereits vor elf Jahren. "Nachdem uns mein Vater 1996 den Hof übergeben hatte, begann er zu schreiben.

Sein Großvater absolvierte zur Zeit des Briefwechsels seinen Militärdienst beim Husarenregiment in Düsseldorf – damals eine "Ewigkeit" von Büttgen entfernt, wo seine Katharina lebte. Beide waren zu Beginn ihrer Romanze 20 Jahre alt und ihre Briefe strotzten vor Leidenschaft für und Sorge um den anderen: "Herzlich geliebte Katharina!", schreibt Josef im Oktober 1883, "in der Eile nehme ich die Feder zur Hand um Dir ein paar Zeilen zu schreiben. Nie hat mir das Weggehen so leidgetan wie am Mittwochabend..." "Heute hat man es verlernt, solche Briefe zu schreiben", gesteht Ehemann Johannes. Auch Maria Pannenbecker hat ihrem Vater einmal geschrieben, allerdings war ihre Botschaft als 9-Jährige keine Liebeserklärung. "Er hatte mich auf einem Reitturnier alleine gelassen – ich war wütend und habe das in einem Brief an ihn verarbeitet. Ich glaube, er hat dieses Schriftstück irgendwo aufbewahrt."

(NGZ)