Neuss: Lesepaten - Pilotprojekt mit Erfttal

Neuss: Lesepaten - Pilotprojekt mit Erfttal

Rheinische Kirche will in fünf "Büchereien für Integration" Erfahrung sammeln.

Die Evangelische Kirche im Rheinland blickt mit Spannung nach Erfttal. Die dortige evangelische Bücherei an der Gebrüder-Grimm-Schule, Harffer Straße, gehört zu den nur fünf Büchereien im Rheinland, die für das Pilotprojekt "Sprachräume - Büchereien für Integration" ausgewählt wurden. Bis 2018 soll in der Praxis erprobt werden, wie erfolgreich der Ansatz ist. "Ziel ist es", so heißt es in einer Pressemitteilung der Projektträger, "ein nachhaltiges Konzept für ehrenamtliche Büchereiarbeit zu entwickeln, das zum einen eine Vernetzung mit lokalen Einrichtungen und Akteuren der Flüchtlingsarbeit ermöglicht und zum anderen die Büchereien als Orte der interkulturellen Begegnung und des multimedialen Lernens stärkt." Die öffentliche Bücherei in Erfttal ist die einzige evangelische unter den konfessionellen Büchereien im gesamten Neusser Stadtgebiet.

Sprach- und Lesefähigkeit bilden die Grundlage für Integration. Dieser These folgt die Evangelische Kirche im Rheinland: "Mit diesem Modellvorhaben sollen (Medien-)Angebote und Serviceleistungen für Flüchtlinge in Büchereien aufgebaut werden, die ihre Integration erfolgreich unterstützen." Wolfgang Kock erklärt, warum die evangelische Bücherei in Erfttal ausgewählt wurde: "In diesem Stadtteil wohnen bekanntlich mehr als 80 Prozent Bürger mit einem Migrationshintergrund." Das Thema Integration sei in Erfttal allgegenwärtig. Das neue Projekt leiste einen wertvollen Beitrag zur Integrationsarbeit.

Wolfgang Kock, ein pensionierter Hauptschullehrer, sieht in Büchern sein großes Hobby. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Bücherei, wo er auch (Vor-)Leseangebote gestaltet. Seit Oktober 2016 begeistert ihn nun das neue Projekt. Sieben Lesepaten, die speziell geschult wurden, arbeiten jeweils einmal in der Woche eine Schulstunde lang mit Kindern, die erst vor kurzem in die Gebrüder-Grimm-Grundschule nach Erfttal gekommen sind. Sie besitzen alle einen Migrationshintergrund und ihre Lesefähigkeit bedarf - nach Einschätzung der Klassenlehrer - einer besonderen Förderung. Die Extra-Schulung ist intensiv, denn sie findet in der Regel im optimalen Lehrer-Schüler-Verhältnis von 1:1 statt. Lesebücher finden sich in der Bücherei Erfttal.

(lue-)
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