Lesefestival Literarischer Sommer in Neuss startet am 26. Juni

Lesefestival in Neuss : Literarischer Sommer in der Welt der Lyrik

Das 20-jährige Bestehen feiert der Literarische Sommer, indem er zum ersten Mal ein Schwerpunkt-Thema hat.

Ob es nun daran liegt, dass mit Claudia Büchel eine Frau an der Spitze der Stadtbibliothek steht oder nicht: Zum 20-jährigen Bestehen des Literarischen Sommers haben Büchel, ihre Projektleiterin Christine Breitschopf und Mitarbeiterin Marion Kallus nicht drauf verzichten wollen, mit ein bisschen Glamour zu kokettieren: So bekamen das Programmheft des Lesefestivals und die Fotos der darin versammelten Autoren einen goldenen Rahmen, die Texte einige Gold-Akzente.

Zum ersten Mal gibt es mit Lyrik auch einen inhaltlichen Schwerpunkt. „Wir waren uns zwar einig, dass Lyrik kein einfaches Feld ist“, sagt Büchel selbstbewusst. Darin sei sich der Veranstalterkreis des grenzüberschreitenden Festivals schnell sicher gewesen. Er will den Einstieg aber leichter machen und entsprechende Lesungen eintrittsfrei halten. In Neuss betrifft dies den Auftritt von Jörg Hilbert und Dominik Schneider mit Gedichten von „Ringelnatz & Morgenstern“. Außerdem, so ergänzt Breitschopf mit Blick auf das komplette Programm, habe man den Begriff weit gefasst: „Von Poetry Slam bis zu klassischer Lyrik.“ Und doch stellen viele der eingeladenen Autoren wie gewohnt einen Roman vor.

Eröffnet wird der Literarische Sommer, an dem sich neben den 13 „Wiederholungstätern“ mit Eijsden in den Niederlanden und Korschenbroich im Rhein-Kreis zwei weitere Städte beteiligen, wieder in Neuss. Denn die Gesamtleitung des Festivals liegt erneut bei der Stadtbibliothek. Allerdings ziehen Büchel, Breitschopf und Kallus dafür gewissermaßen um: „Wir wollten unbedingt das Clemens-Sels-Museum im Boot haben“, sagt Büchel, „starten mit dem Literarischen Sommer deswegen gern früher als gewohnt und nutzen die Finissage der Ausstellung ,Erzählen in Bildern’ für die Eröffnung mit Jan Wagner und Tristan Marquardt.“ Büchner-Preisträger Wagner und Lyriker Marquardt lesen aus „Unmögliche Liebe. Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen.“ Für Büchel hat die Veranstaltung nur einen Makel: „Wir können auf den Eintritt in diesem Fall nicht verzichten.“

44 Veranstaltungen stehen insgesamt auf dem Programm des Festivals in den veranstaltenden 15 Städten  – wobei der Rhein-Kreis dank des zum zweiten Mal teilnehmenden Kulturzentrums Sinsteden in Rommerskirchen mit drei Kommunen vertreten ist. Neun Veranstaltungen, zwischen dem 26. Juni und 5. September, stehen an. Sieben allein in Neuss, darunter auch zum zweiten Mal eine für Zuhörer ab vier Jahren. „Die Kinderveranstaltung im vergangenen Jahr hatte einen so guten Erfolg, dass wir sie nun wieder aufgenommen haben“, sagt Breitschopf. Jörg Hilbert und sein „Ritter Rost“ kommen.

Gesetzt ist die Lesung aus dem siebenbändigen Roman „Das Büro“ von J.J. Voskuil. „Ohne geht’s nicht mehr“, sagt Büchel lachend, die sich darauf freut, dass dieses Mal das Büro der neuen RLT-Intendantin Caroline Stolz akquiriert wurde. Vorleser ist wie schon seit einigen Jahren der Künstlerische Leiter des Theaters am Schlachthof, Markus Andrae.

Für Breitschopf ist es zudem von besonderer Bedeutung, dass sie es endlich geschafft hat, den niederländischen Autor Herman Koch nach Neuss zu holen. Er beendet den Literarischen Sommer in der Stadt und steht schon lange auf ihrer persönlichen Wunschliste: „Aber meistens verbringt er den Sommer in Spanien.“ Dass es nun geklappt habe, sei aber vor allem Breitschopfs Hartnäckigkeit zu verdanken, attestiert die Bibliothekschefin lächelnd.

Die Eintrittspreise sind mit zehn Euro pro Veranstaltung stabil geblieben. Krach bei der Verteilung der Autoren habe es auch nicht gegeben, sagt Breitschopf. Um die 50.000 Euro kostet der Literarische Sommer („wir haben einen ausgeglichenen Haushalt“, sagt Breitschopf), und  2018 waren im Schnitt 55 Besucher bei den Neusser Lesungen.

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