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Neusser Schützenfest: Leistungsschau der Fackelbauer

Neusser Schützenfest : Leistungsschau der Fackelbauer

Mit 100 Großfackeln schoben die Neusser Schützen Samstagnacht so viele Motivwagen wie noch nie durch die Innenstadt. Der Qualität tat dies überhaupt keinen Abbruch. Viele Großtransparente waren ideenreich und aufwändig gestaltet.

Erwartungsfrohe Menschen am Straßenrand, stimmungsvoller Fackelschein in der Dunkelheit, Marschmusikklänge aus den Seitenstraßen und hundert, teils sehr originelle Motivwagen — der Fackelzug am Samstagabend bot annähernd zwei Stunden großartige Unterhaltung.

Dass der erste große Umzug an den Schützenfesttagen völlig zu Recht auch einer der beliebtesten ist, wurde wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Auffällig war neben der enorm hohen Fackel-Dichte die liebevolle Ausgestaltung zahlreicher Motivwagen, die erahnen ließ, wie viele Arbeitsstunden darin steckten.

Eine gute Idee, eine leicht verständliche Aussage, künstlerisch und handwerklich gute Arbeit — volle Punktzahl gab es da etwa für den "Wa(h)lkrampf" von "In Treue fest" (Grenadiere), den Schützenlustzug "De Wonneproppe", der passend zum Fackelthema "Ihr seid der Fackelzug!"

Kamerabilder des Publikums auf eine Leinwand übertrug, und "Nur so" (Schützenlust), die die Euro-Krise mit Dukatenesel und Goldsäcken kommentierten. Optisch sehr gelungen waren die "Rettungsschirme" der 84er Spätlese (Schützenlust), die über dem Zug zu schweben schienen.

Witzpotenzial hatte die Fackel von "De Läppkesspöler" (Schützenlust), bei der ein Wachmann hinter einer Hecke hervorsprang, als ein Schütze sich an eben dieser "wild" erleichterte. Urkomisch auch der Riesenfuß eines Marschierers ("Dienstagabend um 23.55 Uhr") der "Scheinheiligen" (Grenadiere) sowie der "Spießbraten" des Jägerzugs "Munteres Rehlein".

Ermüdend war hingegen irgendwann die übergroße Zahl der Fackeln, die Schützenkönig Rainer Halm ihre Reverenz erweisen wollten — nachvollziehbar zwar beim Grenadierkorps, dem der oberste Schütze entstammt, aber eben auch nicht sehr abwechslungsreich.

Für freche lokale und politische Spitzen sorgten hingegen die Grenadiere von "Mer donnt möt ut Frack" mit ihrer Fackel "1 Nickel sind 10 Napp" sowie die Jäger vom Zug "Grüne Heide", für die Bürgermeister Napp "Der letzte Kaiser von Neuss" ist.

Gerekelt wurde auch beim "Flaschenzug" (Schützenlust), der mit dem Wortspiel "Bad(ort)Ende" und illustriert mit Loriots legendärer Badewannenszene auf die Unruhen im Schützenkomitee anspielte ("Das Komitee geht baden.").

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neuss: Das war der Fackelzug 2012

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