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Neuss: Leidenschaft für Musik in Vinyl

Neuss : Leidenschaft für Musik in Vinyl

Harald Holler besitzt 3667 Langspielplatten mit 34 000 Titeln – vor allem aus den 60er und 70er Jahren. Sammler und damit er selbst seien "ein bisschen bekloppt", sagt er. Angefangen hat alles mit Pat Boones "Speedy Gonzales".

Harald Holler besitzt 3667 Langspielplatten mit 34 000 Titeln — vor allem aus den 60er und 70er Jahren. Sammler und damit er selbst seien "ein bisschen bekloppt", sagt er. Angefangen hat alles mit Pat Boones "Speedy Gonzales".

Harald Holler spricht nicht gern über sich und seine Sammelleidenschaft. "Sammler sind ein bisschen bekloppt — auf positive Art", sagt der 63-Jährige und schließt sich da zweifellos selbst mit ein. Lieber als über sich selbst spricht er über seine Musik. "Seine" Musik — das ist so ziemlich alles, was in den 60er und 70er Jahren in den Hitparaden lief. Er erkennt die Lieder von den ersten Takten an, weiß, welcher Produzent mit wem gearbeitet hat und welches Duett Seltenheitswert hat.

"Das ist meine Lieblingsplatte", sagt der Uedesheimer und legt die Scheibe von "Gerry & the Pacemakers" auf. "Kein Knistern, alles gute Qualität — und die Musik geht direkt in die Beine", sagt Holler als "How do you like it" ertönt. Holler spielt selbst in einer Band und besitzt 15 Gitarren. Als Junge hatte er einmal zufällig die Zitter seines Großvaters auf dem Dachboden gefunden und sich die Finger blutig gespielt.

Das Herzstück seiner musikalischen Sammlung sind jedoch die 3667 Langspielplatten mit rund 340 00 Titeln. Würde Holler jeden Tag sechs Stunden lang ohne Puase eine nach der anderen auflegen, bräuchte er fast ein Jahr, um sie alle zu hören. Obwohl er sämtliche Musik digital katalogisiert hat, steht Holler viel lieber an seiner Regalwand — selbst gezimmert mit extra dicken Böden, um die Last der Vinylscheiben zu halten — und greift willkürlich eine Platte raus. "Dabei hört man oft nach einiger Zeit wieder Dinge, die einem vorher nicht aufgefallen sind", sagt Holler.

An seine erste Scheibe kann sich Holler noch gut erinnern: Speedy Gonzales von Pat Boone von 1962. Weil Platten damals für ihn zu teuer waren, nahm Holler regelmäßig die Hitparaden auf Tonband auf, auch die aus England. Selbst heute noch schaut er die Hitparade — die "Charts" — auf dem Musiksender Viva, "um informiert zu blieben", wie er sagt. Aber CDs sieht man in seinen Regalen nur vereinzelt, sein Herz gehört dem Vinyl.

Regelmäßig ist er auf Börsen, etwa in Utrecht oder Leinen, um neue Schätzchen zu finden. "Im Urlaub muss meine Familie auch immer ertragen, dass ich in jeden Plattenladen gehe" — und dort auch einige Zeit zubrachte. Holler hat mit der Zeit viele Klassiker erstanden: Die beiden Stones-Platten "Sticky Fingers" mit dem Reißverschluss vorn und die mit der Zunge gehören dazu ebenso wie das weiße Album der Beatles. Als Schnäppchenjäger oder Edelsammler versteht sich Holler allerdings nicht.

"Ich suche nicht nach dem billigsten oder teuersten, einfach nach guter Musik", sagt er. Und Musik ist für ihn immer dann gut, wenn "man sie mit einem einzigen Instrument nachspielen kann". Und gute Musik wird für ihn dann zu einem Teil dessen, was Menschen glücklich macht.

Das hat er am eigenen Leib erfahren, als er in Korea und Singapur unterwegs war und einer der Mitreisenden einer Kollegin ein Geburtstagsständchen in der Lobby sang. "Alle sind stehen geblieben. Da habe ich gemerkt, wie international Musik ist und wie sehr sie verbindet", sagt Holler.

(NGZ)