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Neuss: Lehrer sollen für ihre Parkplätze zahlen

Neuss : Lehrer sollen für ihre Parkplätze zahlen

Die Verwaltung hat eine neue Einnahmequelle entdeckt: Lehrer könnten für ihre Parkplätze künftig Gebühren zahlen.

Die Neusser Schulleiter schäumen: Bis zu 70 Euro pro Monat sollen sie und ihre Kollegen künftig für die Nutzung der Lehrerparkplätze zahlen — nicht im Monat, sondern im Jahr. Das schlägt die Stadtverwaltung vor, um mit dem Erlös den Haushalt zu entlasten. Gerechnet wird mit Einnahmen von bis zu 200 000 Euro.

Achim Fischer, Sprecher der Neusser Schulen und Leiter der Janusz-Korczak-Gesamtschule, sieht vor allem die Schulen der Innenstadt betroffen. "Weil wir überhaupt keine Ausweichmöglichkeiten haben", so der Lehrer. Seine Gesamtschule sei wie das Quirinus-Gymnasium "umzingelt von Anwohnerparkplätzen". Daran ärgert die Pädagogen vor allem eines: Die Anwohner-Parkausweise sind bedeutend billiger als das, was die Stadt künftig von ihnen verlangen möchte.

"30 Euro zahlt ein Anwohner pro Jahr, aber wir sollen 70 Euro im Monat zahlen", kritisiert Fischer. Und auch sein Kollege Ulrich Dauben, Leiter des Quirinus-Gymnasiums, sieht "handfeste Probleme" auf die Schule zukommen. "Die Gebühr ist nicht zumutbar", sagt er mit Hinblick auf die Parksituation und die Tatsache, dass es für Lehrer bislang keine Jobtickets gibt.

Für Schuldezernentin Christiane Zangs sind Gebühren für Lehrerparkplätze "ein probates Mittel, um den Haushalt zu entlasten". Zangs verwies im Schulausschuss auf den Sparzwang angesichts des Defizits und betonte, dass nicht jeder Arbeitnehmer eine Garantie auf einen kostenfreien Parkplatz habe. "Auch andere Angestellte in der Innenstadt müssen Parkgebühren zahlen", sagte Zangs, die bereits Gespräche mit dem Bauverein-Tochterunternehmen City Parkhaus GmbH und dem Amt für Verkehrslenkung zur Bewirtschaftung der Parkplätze geführt hat. "Machbar wäre es", lautet ihr Resümee.

Der Schulausschuss, dem die Verwaltung Anfang kommenden Jahres ein Konzept für die Parkplatzgebühren vorlegen will, reagierte verhalten. Ralph-Erich Hildebrandt, Sachkundiger Bürger für die SPD, warnt davor, zwei Klassen von Schulen zu schaffen. "Denn den Preis werden vorrangig die Innenstadt-Schulen bezahlen", so Hildebrandt. Es sei fragwürdig, ob Lehrer in Norf oder Holzheim Gebühren für den Schulparkplatz zahlen würden, selbst wenn dort die Gebühren reduziert sind — durchschnittlich geht die Stadt von einem Monatsbeitrag von 40 Euro aus. "Das zahlt keiner, wenn er auch in den umliegenden Straßen parken kann", sagt Hildebrandt.

So sieht es auch Gerhard Kath, Schulleiter des Alexander-von-Humboldt-Gymasiums. Er geht für seine Schule von einem Boykott aus, würde die geplante Gebührenerhebung in Kraft treten. "Einziges Ergebnis wäre, dass der Parkdruck auf die Anwohner zunimmt, und damit auch der Ärger", sagt Kath.

Zudem sei es realitätsfern, anzunehmen, Lehrer nutzten den Parkplatz ganztägig, wie es die hohe Gebühr suggeriert. "Es ist vielmehr so, dass große Fluktuation herrscht und Parkplätze am Tag mehrfach belegt werden", meint der Schulleiter in Hinblick auf seine Kollegen, von denen einige nur stundenweise an dem Gymnasium im Schulzentrum Weberstraße beschäftigt sind. Für Kath ist die Gebühr für Lehrerparkplätze "eine verzweifelte Suche nach Einnahmequellen — aber am falschen Ende".

(NGZ/rl/url)