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Neuss: Lehrer mit erhöhten PCB-Werten im Blut

Neuss : Lehrer mit erhöhten PCB-Werten im Blut

An der Dreikönigen-Grundschule regt sich Widerspruch gegen die Darstellung des Neusser Bürgermeisters Herbert Napp, bei freiwilligen Untersuchungen von 15 Schulangestellten seien keinerlei erhöhte PCB-Werte im Blut nachgewiesen worden. Ursula Boden, seit fast 40 Jahren Lehrerin an der Dreikönigen-Schule, meldete sich gestern in der NGZ-Redaktion und betonte, dass bei mindestens zehn Pädagogen durchaus erhöhte Werte festgestellt worden seien. Sie selbst müsse mit einem Spitzenwert leben – "wahrscheinlich, weil ich von allen im Kollegium am längsten an der Schule bin". Bei ihr liege der Blutwert bei dem für das Krebsrisiko verantwortlichen PCB 28 um ein Dreieinhalbfaches über dem Grenzwert. Boden zitiert aus einem an sie gerichteten Schreiben des Toxikologen Dr. Ulrich Evers vom Hygiene-Institut Ruhrgebiet: "Die Konzentration des PCB-Kongeners 28 liegt bei Ihnen über dem vom Labor angegebenen Referenzwert von 0,02 Nanogramm/l. Ursache hierfür ist wahrscheinlich die Einatmung von PCB-belasteter Innenluft im Schulgebäude."

Die Situation an der Schule sei für sie fast unerträglich geworden, stellte Ursula Boden fest. Zum Einen wegen der Sorge um die eigene Gesundheit, zum Anderen "weil mir die Kinder am Herzen liegen". Sie würde am liebsten möglichst schnell heraus aus den Räumen an der Weberstraße.

Ob das passiert, ist noch offen. Bürgermeister Napp versicherte gestern gegenüber unserer Zeitung, "dass es keine andere Chance gibt, als eine Lösung zu finden". Zu klären sei, was in welchem Zeitrahmen getan werden könne und was in der Zwischenzeit geschehe. Napp: "Wir prüfen alles vorurteilsfrei." Im Übrigen gehe es nicht nur um das Gift-Problem, "sondern auch um den Bestand der Schule", sagte Napp. Denn möglicherweise halte das PCB-Problem Eltern künftig davon ab, ihre Kinder an der Schule anzumelden.

Gestern fand das erste Gespräch mit dem von der Stadt eingeschalteten Mediator Dr. Frank Claus aus Dortmund statt, der alle betroffenen (Schulleitung, Schulpflegschaft, Stadt) an einen Tisch holte und nun möglichst eine für alle befriedigende Verfahrensweise erarbeiten soll. Einen positiven Effekt hatte dies laut Napp bereits: Die Atmosphäre bei dem Gespräch sei von anfangs emotional auf später sachlich umgeschlagen, urteilte er.

(NGZ)